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Illegales Flüchtlingslager
Das ist der Dschungel von Calais

Räumung des illegalen Flüchtlingslagers: Das ist der Dschungel von Calais
FOTO: Christoph Reichwein
Calais. Die Räumung des "Dschungels" von Calais ist im Gange, bislang friedlich. Die meisten der Bewohner sollen nach dem Willen der Regierung in Aufnahmezentren in ganz Frankreich verteilt werden. Aber was ist das eigentlich für ein Lager?
  • Das Lager:

In Calais sammeln sich seit Jahren Migranten, die illegal den Ärmelkanal überqueren wollen. Calais ist nur rund 40 Kilometer von der englischen Stadt Dover an der Südküste Englands entfernt. Das erste illelage Flüchtlingscamp entstand 2002 in Calais. Dort lebten hauptsächliche Afghanen. Sie sprachen vom "Jangal", was "Wald" in der paschtunischen Sprache bedeutet. Daraus wurde mit der Zeit "Jungle" (Dschungel). 2009 wurde der erste "Dschungel" abgerissen. 2014 bildete sich der neue Dschungel. Nach offiziellen Schätzungen sollen zwischen 6000 und 8000 Menschen in dem Lager leben, nach anderen Schätzungen von Hilfsorganisationen sollen es bis zu 10.000 sein. 

  • Umsiedlung:

Die französische Regierung will die meisten Bewohner des Lagers in 451 Aufnahmezentren im ganzen Land umsiedeln. Die Flüchtlinge können eine Präferenz äußern, in welche Region sie mit den bereitgestellten Bussen gebracht werden wollen. 6000 bis 8000 Flüchtlinge sollen so im ganzen Land verteilt werden, von Montag bis Mittwoch werden 145 Busse rollen.

  • Aufnahme in Großbritannien:

Zuletzt sollen sich im "Dschungel" rund 1300 unbegleitete minderjährige Flüchtlingen aufgehalten haben. Rund 40 Prozent von ihnen geben an, in Großbritannien Familienangehörige zu haben. Sie können darauf hoffen, im Zuge des Familiennachzugs dort aufgenommen zu werden, ihre Fälle werden geprüft. London ist auch bereit, als besonders "verletzlich" angesehene minderjährige Flüchtlinge ohne Verwandte in Großbritannien aufzunehmen. In der Regel betrifft das junge Mädchen. Im Verlauf der vergangenen Woche wurden knapp 200 Minderjährige aus Calais in Großbritannien aufgenommen.

  • Rückführung:

Nach inoffiziellen Schätzungen der französischen Behörden sind 65 bis 75 Prozent der Bewohner des "Dschungels" bei der Einreise in die EU bereits in einem anderen Land registriert worden, die meisten von ihnen in Italien. Nach dem Abkommen von Dublin müssten sie eigentlich in dieses Land zurückgeführt werden. Die französischen Behörden wollen aber offenbar ein Auge zudrücken und die Menschen auffordern, in Frankreich Asyl zu beantragen.

  • Abschiebung:

Wer sich weigert, bei der Schließung des Lagers zu kooperieren, dem droht nach Einschätzung von Hilfsorganisationen die Abschiebung in sein Heimatland. Das gilt etwa für Flüchtlinge, die nicht in die bereitgestellten Busse steigen wollen. Oder für solche Flüchtlinge, deren Asylantrag in Frankreich bereits abgelehnt wurde.

  • Abtauchen:

Eine Reihe von Menschen haben den "Dschungel" von Calais bereits verlassen, als die ersten Berichte über die Schließung bekannt wurden. Wie hoch ihre Zahl ist, weiß niemand. Sie dürften weiterhin versuchen, sich von Nordfrankreich aus nach Großbritannien durchzuschlagen. Schätzungen zufolge wollen rund 2000 Flüchtlinge die Region um Calais nicht verlassen.

(heif/AFP/KNA)
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