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USA fordern stärkere Sanktionen
Nordkorea brüskiert Welt mit Raketentest

Raketentest: Nordkorea testet Mittelstreckenrakete
In Südkorea wurden Berichte über Nordkoreas Raketentest aufmerksam verfolgt (Archiv). FOTO: dpa, AY lof
Seoul/Peking. Mit einem neuen Raketentest hat Nordkorea die Welt herausgefordert und Südkoreas Pläne für eine Rückkehr zur Entspannungspolitik infrage gestellt. Die USA und Japan forderten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

Nordkorea startete am Sonntag eine ballistische Rakete, die potenziell Atomsprengköpfe tragen kann – die Mittelstreckenrakete stürzte nach rund 700 Kilometern ins Japanische Meer. Nach Experten-Einschätzung hat das Land bei der Reichweite Fortschritte erzielt.

Südkorea, Japan, Frankreich und Deutschland verurteilten den Test, China und Russland äußerten ihre Sorge über die Entwicklung. Die Europäische Union erklärte sich bereit, einen "glaubhaften" Dialog Nordkorea mit der Weltgemeinschaft zu unterstützen.

Nach 700 Kilometern ins Meer gestürzt

Nach Angaben des Generalstabs der südkoreanischen Streitkräfte hob die Rakete am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) in der Nähe der Grenze zu China im Nordwesten des Landes in Richtung offenes Meer ab. Sie sei etwa 700 Kilometer weit geflogen. Nach Angaben des US-Militärs stürzte die Rakete ins Japanische Meer (Koreanisch: Ostmeer). Der genaue Raketentyp war zunächst unklar.

Japans Regierung prüfe, ob es sich um einen neuen Typ handele, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Demnach erreichte die Rakete eine Höhe von mehr als 1000 Kilometern und befand sich 30 Minuten in der Luft. Die Flugbahn sei nicht "im Einklang mit einer Interkontinentalrakete" gewesen, teilte das US-Pazifikkommando mit.

US-Experten sprachen sogar von einer Flughöhe von 2000 Kilometern. Die Rakete hätte dann eine Reichweite von 4500 Kilometern, schrieb der Physiker David Wright in seinem Blog.

Herausforderung für Moon Jae In

Es ist bereits Nordkoreas siebter Raketentest in diesem Jahr. Im April hatte das kommunistische Land zwei Mittelstreckenraketen getestet, beide Versuche schlugen aber nach Angaben Südkoreas fehl. 

Für den neuen südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, der erst vier Tage zuvor die Amtsgeschäfte übernommen hatte, ist der Raketentest eine politische Herausforderung. Während die USA mit der Entsendung eines Flugzeugträgerverbandes den Druck auf Nordkorea erhöhten, hatte Moon den Wunsch geäußert, zur "Sonnenscheinpolitik" der Entspannung mit Nordkorea zurückzukehren.

"Selbst wenn ein Dialog möglich ist, sollten wir Nordkorea zeigen, dass dies nur dann möglich ist, wenn Nordkorea seine Haltung ändert", sagte Moon im nationalen Sicherheitsrat. Er warnte das Nachbarland, die Lage falsch einzuschätzen. Moon hatte im Wahlkampf für eine Politik der Annäherung plädiert, aber Nordkorea auch vor weiteren Provokationen gewarnt.

USA fordern "viel stärkere Sanktionen"

Das Weiße Haus erklärte, Nordkoreas jüngste Provokation solle allen Ländern als Aufforderung dienen, "viel stärkere Sanktionen gegen Nordkorea in Kraft zu setzen". Nordkorea sei schon viel zu lange eine offenkundige Bedrohung. Präsident Donald Trump könne sich auch nicht vorstellen, dass Russland über den Test erfreut sei – schließlich sei die Rakete näher an russischem als an japanischem Gebiet niedergegangen. 

Die Präsidenten Chinas und Russlands, Xi Jinping und Wladimir Putin, äußerten sich laut russischen Angaben in Peking am Rande des "Seidenstraßen"-Gipfels am Sonntag besorgt darüber, "wie sich die Lage entwickelt und die Spannungen steigen". China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf, um die Spannungen in der Region nicht zu verschärfen.

Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats

Die USA und Japan forderten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats gefordert. Ein Treffen des Gremiums sei für Dienstagnachmittag angesetzt worden, teilten Diplomaten Uruguays, das derzeit den Vorsitz des UN-Sicherheitsrats innehat, am Sonntag in New York mit.

"Es gibt keine Entschuldigungen, die Nordkoreas Aktionen rechtfertigen", erklärte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. "Das war sehr nah dran für Russland. China kann keinen Dialog erwarten. Diese Bedrohung ist real", erklärte Haley weiter.

Die Lage in der Region ist bereits nach zwei Atomversuchen und zahlreichen Raketentests Nordkoreas seit dem vergangenen Jahr sehr angespannt. US-Präsident Trump drohte mehrfach mit Alleingängen im Atomstreit mit Nordkorea. Auch schloss er einen Militärschlag nicht aus. Die USA befürchten, dass Nordkorea eines Tages über Atomraketen verfügt, die auch das amerikanische Festland erreichen könnten.

(wer/REU/dpa/afp)
 
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