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Türkei vor dem Bürgerkrieg
Erdogan fordert Vorgehen der Kurden gegen PKK

Istanbul. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Montag die Kurdenriegierung im Nordirak aufgefordert, dort gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorzugehen. Auch die PKK hat am Montag ihre Angriffe auf die türkische Stellung fortgesetzt. 

In der gewaltsamen Konfrontation zwischen der Türkei und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist kein Ende in Sicht: Wenn die Kurdenregierung im Nordirak dort nicht gegen die PKK vorgeht, dann werde "die Türkei alles Notwendige tun, um sich zu verteidigen". Die Angriffe der PKK auf türkische Stellungen gingen am Monatg ebenfalls weiter. 

Bereits 260 PKK-Kämpfer bei türkischen Anschlägen getötet

Die Türkei hatte vor gut einer Woche Angriffe auf Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gestartet. Zugleich griff sie nach einem Anschlag auf zwei türkische Polizisten auch mutmaßliche Stützpunkte der PKK im Nordirak an, die gegen den IS kämpft. Die türkischen Angriffe konzentrieren sich dabei eher auf die PKK als auf den IS: Bereits 260 PKK-Kämpfer wurden laut der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu getötet und rund 400 weitere verletzt.

Trotz der anhaltenden Konfrontation gab sich Erdogan überzeugt, dass es keinen Rückfall in die 90er Jahre geben werde, in denen tausende Menschen bei der Auseinandersetzung zwischen PKK und türkischem Staat ihr Leben verloren hatten. "Ich glaube das nicht, das ist unmöglich", sagte er auf dem Rückflug von einer Asienreise vor Journalisten.

PKK machte Namen von kurdischem Selbstmordattentäters öffentlich

Während die Türkei weiter PKK-Stellungen auch im Nordirak bombardierte, setzten auch die kurdischen Rebellen ihre Angriffe gegen türkische Soldaten und Polizisten fort. Zwei Militärfahrzeuge wurden beschädigt, als sie am Montagmorgen in der südöstlichen Provinz Bitlis über eine ferngezündete Mine fuhren. Die Soldaten in den Fahrzeugen wurden nicht verletzt. PKK-Anhänger griffen auch ein Militärkrankenhaus in Tatvan in der südosttürkischen Provinz Van an, wie Anadolu berichtete. Auch hier soll es keine Verletzten gegeben haben.

Fotos: Erdogan – vom Häftling zum Ministerpräsidenten FOTO: AP

Eine Miliz der PKK machte indes den Namen des Selbstmordattentäters öffentlich, der am Sonntag mindestens zwei türkische Soldaten bei einem Anschlag in der Osttürkei in den Tod gerissen hatte. Der Angriff sei von "unserem Freund, dem Märtyrer Andok Eris" ausgeführt worden, teilten die Volksverteidigungskräfte (HPG) mit. Es war das erste Mal seit dem Beginn des aktuellen Konflikts, dass die PKK zu einem Selbstmordanschlag griff. Das Attentat sei die Rache für das "Massaker" der türkischen Luftwaffe an Zivilisten in dem nordirakischen Dorf Serkal, erklärten die HPG.

Der Attentäter war nach türkischen Medienberichten mit einem mit zwei Tonnen Sprengstoff beladenen Traktor in einen Polizei- und Armeestützpunkt nahe der Stadt Dogubayazit an der iranischen Grenze vorgedrungen. Bei der Explosion und einem anschließenden Schusswechsel wurden der türkischen Armee zufolge zwei Soldaten getötet und mehr als 30 weitere teils schwer verletzt. Die PKK sprach hingegen von fast 60 getöteten Soldaten.

CHP-Chef Kilicdaroglu: "Erdogan stiftet Unruhe"

Die Türkei hatte der PKK den Krieg erklärt, nachdem die Organisation nach einem dem IS angelasteten Anschlag mit 32 Toten auf ein prokurdisches Treffen zwei türkische Polizisten erschossen hatte. Die PKK indes wirft Ankara vor, die Islamisten zu dulden und sogar zu unterstützen. Die Kurdenpartei HDP wiederum wirft der Erdogan vor, den Konflikt zu schüren, um bei möglichen vorgezogenen Neuwahlen besser abzuschneiden.

Die regierende islamische-konservative Partei AKP führte am Montag die letzte Runde ihrer Koalitionsgespräche mit der oppositionellen CHP. Diese gestalteten sich allerdings schwierig: CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu sagte am Sonntag in einem Fernsehinterview, Ministerpräsident Ahmet Davutoglu wolle eine Koalition, Erdogan blockiere dies aber. "Er stiftet Unruhe", sagte der CHP-Chef über Erdogan dem Sender Habertürk.

(AFP)
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