| 07.07 Uhr

Nach Attentat auf Russlands Botschafter
Recep Tayyip Erdogan kündigt weitere "Säuberungen" an

Fotos: Erdogan – vom Häftling zum Ministerpräsidenten
Fotos: Erdogan – vom Häftling zum Ministerpräsidenten FOTO: AP
Ankara . Für den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan ist klar, dass hinter dem Mordanschlag auf den russischen Botschafter in Ankara die Gülen-Bewegung steckt. In diesem Zuge hat er weitere "Säuberungen" in Polizei und Militär angekündigt.

Es sei "kein Geheimnis", dass der 22-jährige Polizist Mevlüt Mert Altintas ein Mitglied der "Fethullah Terrororganisation" (Feto) gewesen sei, sagte Erdogan am Mittwoch. Der Botschafter Andrej Karlow war am Montag bei einer Ausstellungseröffnung in Ankara erschossen worden.

Feto ist die Bezeichnung der türkischen Regierung für die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der in den USA im Exil lebt. Die türkische Regierung sieht in ihm den Drahtzieher für den gescheiterten Militärputsch von Mitte Juli. Bei den "Säuberungen" der vergangenen Monate wurden bereits mehr als hunderttausend mutmaßliche Regierungsgegner in Armee, Polizei, Justiz und Bildung festgenommen oder entlassen.

"Natürlich werden wir mit den Säuberungen weitermachen"

Erdogan machte sich am Mittwoch erstmals den direkten Vorwurf an die Gülen-Bewegung für den Mordanschlag auf Karlow zu eigen, der am Dienstag schon von Außenminister Mevlüt Cavusoglu vorgebracht worden war. "Ich muss dass ganz klar sagen - diese schmutzige Organisation ist noch immer im Militär und in der Polizei", sagte Erdogan vor Journalisten in Ankara. "Natürlich werden wir mit den Säuberungen weitermachen."

Moskau warnte dagegen vor voreiligen Schlüssen zu den Hintergründen. Zunächst müssten die Ergebnisse der Ermittlungen abgewartet werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Es dürfen keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, solange die Ermittlungen nicht gezeigt haben, wer hinter der Ermordung unseres Botschafters steckt", sagte Peskow. Russland ist an den Ermittlungen zu dem Attentat beteiligt.

Die türkische Regierung akzeptierte die Entsendung von 18 russischen Ermittlern, die gemeinsam mit ihren türkischen Kollegen den Anschlag untersuchen sollen. Die russischen Ermittler besuchten nach ihrem Eintreffen in Ankara am Dienstag den Tatort und waren bei der Autopsie des Leichnams zugegen. Am Donnerstag soll der Botschafter nach einer nationalen Trauerzeremonie, an der auch Präsident Wladimir Putin teilnimmt, auf einem Friedhof in Moskau beigesetzt werden.

Der Attentäter war in der Vergangenheit laut einem Zeitungsbericht acht Mal zum Schutz Erdogans eingeteilt. Er hatte seine Tat als Rache für das russische Vorgehen im Syrien-Krieg bezeichnet. Laut türkischen Medienberichten wurden im Zusammenhang mit dem Attentat bislang 13 Menschen festgenommen, darunter sechs enge Verwandte von Altintas. Gülen verurteilte das Attentat auf den Botschafter und bestreitet eine Verwicklung in den niedergeschlagenen Putschversuch.

(felt/AFP)
 
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