Niederlande: Rechtspopulist stellt koranfeindlichen Film ins Internet
zuletzt aktualisiert: 27.03.2008 - 23:58Amsterdam (RPO). Er hatte es lange angekündigt. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat seinen kritischen Film über den Islam und den Koran am Donnerstag veröffentlicht. Mit dem 15-minütigen Video "Fitna" will Wilders den Koran als "faschistisches Buch" brandmarken, das er im Vorfeld der Veröffentlichung bereits mit Adolf Hitlers "Mein Kampf" verglich.
"Fitna", dass auf arabisch so viel bedeutet wie Zwietracht unter
den Muslimen, beginnt mit einer Warnung vor "schockierenden
Bildern". In dem Film kombiniert Wilders dann Bilder von Opfern
terroristischer Anschläge mit Koranversen. Auch die umstrittene
dänische Mohammed-Karikatur, die den Propheten mit einer Bombe als
Turban zeigt, sowie die Anschläge auf das World Trade Center in New
York am 11. September 2001 sind in dem Film zu sehen.
Wilders' Film beginnt und endet mit einer dieser Karikaturen. Dann wird am Ende ein Blatt Papier zerrissen. Im Untertitel wird dem Zuschauer versichert, es sei nur eine Seite aus einem Telefonbuch. "Es ist nicht meine Sache, sondern die der Muslime, die Hass säenden Seiten aus dem Koran zu reißen", heißt es dann. Am Ende heißt es: "Stoppt die Islamisierung. Verteidigt unsere Freiheit."
Das Video ist auf Liveleak, einer Plattform die Youtube ähnelt, zu sehen. Innerhalb einer Stunde wurde der Film mehr als eine Million Mal aufgerufen. Zuvor hatte der amerikanische Internetprovider Network Solutions die Ausstrahlung des Videos blockiert und verlangt, den Film vorab sehen zu können. Auch Fernsehsender und Kinos hatten die ungekürzte Ausstrahlung abgelehnt, da Wilders nicht bereit war, den Film vorab zur Sichtung freizugeben.
Wilders hatte den Film bereits Mitte November
angekündigt. Mehrere muslimische Länder wie Pakistan, Indonesien,
Ägypten und Afghanistan protestierten daraufhin gegen die geplante
Veröffentlichung.
Kurz nach der Veröffentlichung hat der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende
den Film noch einmal. "Der Film setzt den Islam mit Gewalt gleich",
erklärte Balkenende. "Das weisen wir zurück. Wir bedauern, dass
Herr Wilders diesen Film veröffentlicht hat. Wir glauben, er dient
keinem anderen Zweck, als zu beleidigen."
In der arabischen Welt hatte der Film bereits in den vergangenen Monaten für heftige Empörung gesorgt. Während der Iran mit einem Boykott niederländischer Produkte drohte, kündigten die radikalislamischen Taliban an, auf die in Afghanistan stationierten Soldaten aus den Niederlanden verstärkt Angriffe zu verüben. In Afghanistan gingen Anfang März täglich mehrere hundert Menschen gegen den Film auf die Straße. Mehrere muslimische Verbände in den Niederlanden riefen dazu auf, auf die Provokation nicht einzugehen. Aus Angst vor Anschlägen nach der Veröffentlichung gilt in den Niederlanden bereits seit Anfang März eine erhöhte Alarmbereitschaft.
Wilders, dessen Partei PVV unter anderem einen Einwanderungsstopp für Muslime und ein Verbot des Koran fordert, lebt seit dem Mord an dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh unter ständigem Polizeischutz. Van Gogh war 2004 wegen eines Islam-kritischen Films von einem radikalen Muslim getötet worden.
Wilders erklärte, er habe den Film veröffentlicht, weil der Islam und der Koran auf lange Sicht die Freiheit in den Niederlanden gefährdeten. "Ich musste die Menschen davor warnen", erklärte er. "Es ist keine Provokation, aber es ist fünf vor Zwölf."
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