Rede an die Nation

König Felipe kritisiert katalanische Regionalregierung

Spaniens König Felipe VI. richtet sich in einer TV-Ansprache an die Nation. FOTO: dpa, casa real abl

Madrid. Nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hat sich erstmals Spaniens König Felipe VI. in den Konflikt eingeschaltet – und scharfe Vorwürfe gegen die Regionalregierung in Barcelona gerichtet.

Mit ihrem Vorhaben, in den nächsten Tagen die Abspaltung von Spanien auszurufen, setze die Regierung in Barcelona "die wirtschaftliche und soziale Stabilität" Kataloniens und ganz Spaniens aufs Spiel, sagte der Monarch am späten Dienstagabend in einer TV-Ansprache an die Nation.

Die Regionalregierung von Carles Puigdemont könnte nach dem Sieg des "Ja"-Lagers bei einem umstrittenen Referendum am Sonntag schon in den nächsten Tagen die Loslösung von Spanien ausrufen. Barcelona hatte das Referendum ungeachtet eines Verbots durch das Verfassungsgericht und auch gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid abgehalten.

Die Regionalregierung bewege sich "außerhalb des Gesetzes" und habe Katalonien mit ihren Aktionen entzweit, sagte Spaniens König Felipe VI. weiter. "Es sind schwierige Zeiten, aber wir werden sie überwinden und vorwärtskommen", sagte das 49 Jahre alte Staatsoberhaupt. Allen Spaniern wolle er "eine Botschaft der Ruhe und der Hoffnung" übermitteln. Ohne demokratischen Respekt gebe es kein friedliches Zusammenleben. Es liege in der "Verantwortung des Staates, die verfassungsmäßige Ordnung sicherzustellen."

Unbeeindruckt davon kündigte Puigdemont an, dass Katalanien womöglich noch in dieser Woche seine Unabhängigkeit von Spanien erklären wird. Sobald das vollständige Ergebnis des Referendums vorliege, werde Katalonien binnen 48 Stunden die Unabhängigkeit ausrufen, sagte Kataloniens Regionalpräsident dem britischen Sender BBC in einem Interview, das am Mittwoch ausgestrahlt wurde. Voraussichtlich bis zum Ende der Woche würden noch Stimmen aus dem Ausland ausgezählt. "Wir werden also Ende dieser Woche oder Anfang kommender Woche handeln", sagte Puigdemont.

700.000 Menschen gehen in Barcelona auf die Straßen

Nachdem es schon am Sonntag große Kundgebungen für Unabhängigkeit gegeben hatte, gingen am Dienstag erneut Hunderttausende Separatisten in ganz Katalonien auf die Straßen. Im Rahmen eines von Gewerkschaften und anderen Organisationen ausgerufenen Generalstreiks protestierten sie gegen den harten Einsatz der von Madrid entsandten Polizeieinheiten während des Referendums. Diese hatten den Auftrag, die Abhaltung der Abstimmung zu verhindern. Nach amtlichen Angaben wurden knapp 900 Bürger verletzt.

Am Abend erreichten die Massenkundgebungen in Barcelona die Zahl von 700.000 Teilnehmern. Das teilte die städtische Polizei am Dienstagabend in der katalanischen Hauptstadt mit. Bis zum Nachmittag hatten sich bereits 300.000 Menschen auf den Straßen Barcelonas versammelt.

(felt/dpa/AFP)

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