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Votum über Unabhängigkeit
Kurden feiern Sieg der Ja-Stimmen bei Referendum

Referendum: Bagdad verlangt Kontrolle über Flughäfen von Kurden
Nach Schließung der Wahllokale am Montag feiern viele Kurden auf den Straßen im Nordirak die wahrscheinliche Mehrheit der Ja-Stimmen. FOTO: dpa, owe fdt
Bagdad. Der Präsident der irakischen Kurdenregion hat den Sieg für das "Ja"-Lager beim Unabhängigkeitsreferendum reklamiert. Derweil wachsen die Spannungen mit der Regierung in Bagdad.

Kurden-Präsident Massud Barsani erklärte in einer Fernsehansprache einen Sieg der Ja-Stimmen beim Referendum, wie die kurdische Nachrichtenseite Rudaw am Dienstagabend berichtete. Er forderte die Zentralregierung in Bagdad und die Nachbarländer auf, den Willen des kurdischen Volkes zu respektieren.

Er appellierte an Al-Abadi und andere, die an einen Dialog glaubten, die Tür für Verhandlungen zu öffnen Verhandlungen seien der richtige Weg, um die Probleme zu lösen, nicht Drohungen, sagte Barsani am Dienstag in einer Fernsehansprache.

Kontrolle über Flughäfen und Militärübung

Die Regierung in Bagdad zeigte sich nicht gesprächsbereit. Nach dem Unabhängigkeitsreferendum verlangt Bagdad die Kontrolle über die Flughäfen in der kurdischen Region. Die kurdische Autonomieregierung in Erbil habe bis Freitag Zeit, die Kontrolle der Flughäfen zu übergeben, sagte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi am Dienstag. Sollte sie dem nicht nachkommen, werde ein Flugverbot über die Flughäfen im Norden des Landes verhängt.

Kurz nach der Abstimmung am Montag begannen zudem die türkische und die irakische Armee ein gemeinsames Militärmanöver. Es handele sich um eine groß angelegte militärische Übung, teilte der irakische Generalstabschef Uthman al-Ghanami mit. Die Übung finde in der Gegend des Grenzübergangs Habur statt, dem Übergang zwischen der Türkei und der Kurden-Region im Nordirak. Die türkische Armee hatte das Manöver bereits vor einer Woche begonnen.

Türkische und irakische Soldaten bei dem Militärmanöver. FOTO: dpa, BO wal pat

Der irakische Ministerpräsident bekräftigte bei einer Pressekonferenz außerdem seine Position, nicht für Gespräche über die Unabhängigkeit der Kurden zur Verfügung zu stehen. "Wir werden die Einheit und Souveränität des Irak nicht aufgeben, denn das ist die nationale Pflicht", sagte er. Die Stimmzettel zu dem Unabhängigkeitsreferendum wurden am Dienstag noch ausgezählt, es wurde mit einer großen Mehrheit für die Unabhängigkeit gerechnet.

Trotz der entschiedenen Ablehnung Bagdads und der Nachbarn Türkei und Iran hatten die Kurden im Nordirak am Montag über die Abspaltung vom Irak abgestimmt. Die Wahlkommission rechnet mit einer deutlichen Mehrheit für eine Abspaltung vom Rest des Landes. Die ersten Auszählungen deuteten darauf hin, dass mehr als 90 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit gestimmt haben, wie die Kommission am Montagabend berichtet hatte.

(veke/AFP/AP)
 
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