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Gewaltvorwürfe gegen Polizei
Berichte über Verletzte bei Referendum in Katalonien

Angespannte Stimmung am Referendumstag in Katalonien
Angespannte Stimmung am Referendumstag in Katalonien FOTO: dpa, nicolas carvalho ochoa htf
Barcelona. In Katalonien hat das umstrittene Referendum über die Unabhängigkeit begonnen. Die Stimmung ist angespannt. Die Polizei will die vom Verfassungsgericht verbotene Abstimmung verhindern. Zeugen berichten, sie setze Gummigeschosse ein. Es soll Verletzte geben.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf Rettungskräfte, es gebe 38 Verletzte durch Polizeigewalt. Die Beamten hätten Gummigeschosse eingesetzt. 

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtet, dass bei Zusammenstößen vor der Rius-i-Taulet-Schule in Barcelona mehrere Personen verletzt wurden. Die Beamten feuerten demnach die Geschosse ab, als sie versuchten, Protestierende zu vertreiben. Die Demonstranten versuchten, Fahrzeuge der Nationalpolizei am Abfahren zu hindern, nachdem die Polizei in dem Wahllokal die Wahlurnen konfisziert hatte. Einige Wähler hatten dort ihre Stimme abgegeben, bevor die Polizei kam.

Der 48-jährige IT-Manager Manuel Conedeminas war einer derjenigen, die versuchten, die Polizei am Abtransport der Wahlurnen zu hindern. Die Polizisten hätten getreten und Schlagstöcke eingesetzt, sowie runde Geschosse abgefeuert, sagte er der AP. Trotz des Vorgehens der Polizei seien 73 Prozent der etwas 6000 Wahllokale geöffnet, teilte ein Vertreter der Regionalverwaltung am Sonntag mit.

In dem Ort Sant Julià de Ramis, in dem der Chef der Regionalregierung Carles Puigdemont seine Stimme abgeben will, drangen Sicherheitskräfte mit Gewalt in eine Schule ein, um die Wahlurnen sicherzustellen. Dabei schlugen sie auch die Scheibe der Eingangstür ein. Puigdemont gab seine Stimme daraufhin anderswo ab. Die katalanische Polizei war zuvor dem Befehl, Schulen und andere Wahllokale abzuriegeln, nicht nachgekommen.

Regierung in Madrid bezeichnet Referendum als illegal

Die Zentralregierung in Madrid versucht mit allen Mitteln, die Abhaltung des von ihr als illegal bezeichneten Referendums zu verhindern. Katalanische Regierungsmitarbeiter wurden festgenommen und mehr als die Hälfte der rund 2300 Wahllokale geschlossen. Ein massives Polizeiaufgebot wurde mobilisiert, außerdem leiteten die Behörden der Zentralregierung Ermittlungen gegen die Bürgermeister Kataloniens ein, die das Referendum unterstützen.

Katalonien mit seinen etwa 7,5 Millionen Einwohnern ist etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen und kommt für knapp ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf. In der wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens, in der eine eigene Sprache gesprochen wird, gibt es seit Jahrzehnten Bestrebungen, sich von Spanien loszulösen.

In den Umfragen liegen die Gegner einer Unabhängigkeit zumeist deutlich vorn; allerdings pocht die Mehrheit der Katalanen auf ihr Recht, ein solches Referendum abhalten zu dürfen. Madrids verschärfte Gangart brachte in den vergangenen Tagen in Barcelona und anderen Städten hunderttausende empörte Katalanen auf die Straße.

(jco/AFP)
 
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