Kampf gegen Al-Qaida in Pakistan: Regierungs-Truppen starten Bodenoffensive
zuletzt aktualisiert: 17.10.2009 - 10:09Islamabad (RPO). Nach einer Anschlagsserie mit mindestens 175 Toten haben die pakistanischen Streitkräfte am Samstag mit einer seit langem geplanten Bodenoffensive gegen Extremisten an der Grenze zu Afghanistan begonnen. Mehr als 30.000 Soldaten griffen nach Angaben aus Geheimdienst- und Militärkreisen in Süd-Waziristan von verschiedenen Seiten an und erhielten Unterstützung von Kampfhubschraubern und Flugzeugen. Der Einsatz ist bereits der vierte Versuch der Truppen seit 2001, die Taliban aus der Region zu vertreiben.
Die Soldaten gingen gegen tausende in- und ausländische Kämpfer vor, sagten Gewährsleute der Nachrichtenagentur AP. Bereits seit Monaten wurden gegen die Islamisten Luftangriffe geflogen. Die großangelegte Bodenoffensive könne bis zu zwei Monate dauern, verlautete aus Geheimdienstkreisen. Etliche Flucht- und Nachschubrouten in dem Stammesgebiet wurden nach Militärangaben bereits abgeriegelt. Die USA hatten angekündigt, die Militäroperation mit Nachtsichtgeräten und weiterer Ausrüstung zu unterstützen.
Süd-Waziristan gilt als Rückzugsort für Taliban- und Al-Kaida-Kämpfer, den die Extremisten auch als Basis für Angriffe auf die ausländischen Truppen in Afghanistan und möglicherweise für weltweite Terroranschläge nutzen. Vor dem in wenigen Wochen drohenden Wintereinbruch in Pakistan bleibt den Streitkräften allerdings nicht mehr viel Zeit für Einsätze am Boden. Schnee in der schwer zugänglichen Region könnte größere Verkehrsverbindungen blockieren. Andererseits könnte die Kälte auch den Truppen nützen, wenn sie die Kämpfer aus ihren Verstecken in den Bergen treibt.
Nach Angaben von Amnesty International sind aus der Region seit Juli bis zu 150.000 Menschen geflohen. Adschmal Chan aus der Stadt Makin sagte am Samstag, dort sei Gefechtslärm zu hören, die Menschen könnten ihre Häuser aber wegen einer Ausgangssperre nicht verlassen. Makin gilt als wichtiges Versteck der Taliban.
Regierung will diesmal keinen Waffenstillstand
Die drei bisherigen Offensiven in den vergangenen Jahren endeten jeweils mit einem Waffenstillstand, der letztlich den Taliban weiter die Kontrolle in Süd-Waziristan ließ. Die pakistanische Regierung hat erklärt, dass es dieses Mal keine solche Verhandlungslösung geben werde. Militärsprecher General Athar Abbas sagte kürzlich der AP, die Bodenoffensive werde sich auf die Gebiete des im August bei einem Raketenangriff getöteten Anführers der pakistanischen Taliban, Baitullah Mehsud, konzentrieren - rund 3.300 Quadratkilometer. Abbas zufolge halten sich dort schätzungsweise 10.000 Extremisten auf, die von 1.500 ausländischen Kämpfern unterstützt werden.
Den Bodeneinsatz hatten die Streitkräfte vor rund zwei Wochen angekündigt. Daraufhin wurde Pakistan von einer Reihe blutiger Anschläge erschüttert, bei denen mindestens 175 Menschen ums Leben kamen. Dies wiederum erhöhte den Druck auf die Regierung, entschlossen gegen die Militanten vorzugehen.
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