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Hillary Clinton wird 60: Reif fürs Weiße Haus

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 26.10.2007 - 12:05

Charlottesville (RP). Heute feiert die ehemalige First Lady Geburtstag. Schönstes Geschenk: In der Gunst der Demokraten liegt sie inzwischen deutlich vorn - auch weil sie im Vorwahlkampf ungewohnt locker auftritt.

John Grisham sitzt im Sessel und hört schmunzelnd zu. Dabei sagt die Kandidatin gar nichts, sie kichert nur. Kichert und kichert, will gar nicht aufhören. Ein ausgelassenes Gegacker ist das, irgendwie mädchenhaft, dieses „Clinton Cackle“. Das Markenzeichen, mit dem Hillary Clinton ihre neue Leichtigkeit unter Beweis stellen will. Losprustend will sie zeigen, dass sie nicht nur präsidial ist und bis ins Detail informiert, sondern auch spontan und fröhlich sein kann. Dass sie nicht mehr die kühle, verbissene Lady ist, wie sie die Amerikaner zu kennen glauben.

Amerikas einziger weiblicher Polit-Star wird heute 60 Jahre alt. Und Hillary wird sogar ihren Geburtstag als Wahlkampf-Ereignis inszenieren - mit einer großen Gala im Beacon-Theater am Broadway in New York. Das Spektakel um die Senatorin fügt sich dabei ein in ihre Strategie, eine wärmere Hillary Clinton zu präsentieren.

Genau wie in Charlottesville, Virginia: Da sitzt sie und lacht sich fast schief über die Frage, die ihr ein Junge namens Matthew Destano stellt. „Ähhm, wie wird eigentlich Ihr Mann genannt, wenn Sie Präsidentin sind? First Gentleman? First Friend? First Laddy?“. First Laddy, haha, jauchzt Hillary, das wäre ja schottisch. Aber ja, eine interessante Frage sei das: „Weißt du was, ich nenne ihn immer noch Bill.“

Zweideutige Sichel

Im Paramount-Theater, vor Wandbildern, auf denen Romeo und Julia vor Zypressen schmusen, kann man die fast 60-Jährige von einer Seite erleben, die lange verborgen blieb. Hier wird sie nicht angegriffen, hier malen sie das C in Clinton nicht als Sichel mit dazugehörigem Hammer, wie es eingefleischte Hillary-Feinde tun, die sie zur Stalinistin sowjetischen Stils verreißen.

Hier erinnert man sie nicht ständig an die Fettnäpfchen, in die sie früher trat, nicht an Bills Kampagne von 1992, als sie die Frage nach ihrem Job in einer Anwaltskanzlei schnippisch beantwortete: „Ich hätte wohl auch zu Hause bleiben können, Plätzchen backen, Tee trinken“. Deshalb schickten ihr wütende Hausfrauen damals Päckchen voller Plätzchen, deshalb feilen ihre Berater heute am Image einer runderneuerten, mütterlichen, herzlichen Hillary. Und deshalb hat Grisham, der sympathisierende Bestsellerautor, mit Bill über drei Ecken verwandt, sie ins Theater geladen. „Ich werde keinen Müll fragen, wie Mister O‘Reilly (ein konservativer Fernsehmoderator) es tut.“

Locker geplaudert

Man plaudert locker, über schlechte Frisuren, zu auffällige Juwelen, altmodische Kleider, die kleinen Schwächen. Es geht darum, welche Baseballmannschaft sie unterstützt, die Chicago Cubs ihrer Heimatstadt oder die New York Yankees ihrer politischen Wahlheimat. Diplomatische Antwort: „In Chicago die Cubs, in New York die Yankees.“ Ovationen, als die Clinton ihre große Linie skizziert: „Die Ära der Cowboy-Diplomatie ist vorbei. Amerika hat genug von diesem gefährlichen Experiment mit dem Extremismus. Wir wollen unser Land wiederhaben!“

Dies ist ein Heimspiel für sie. Der Eintritt kostet 30 Dollar, in den Reihen sitzen die Frauen der Babyboomer-Generation, viele Lehrerinnen, viele Dozentinnen, Frauen, die sich eins mit ihr fühlen, die stolz auf sie sind. Dass die Kandidatin auch Widerspruch erntet, würde man drinnen im plüschigen Saal gar nicht merken. Man merkt es nur an den Postern, draußen im roten Kopfsteinpflasterambiente der gepflegten Fußgängerpassagen: „Hillary im Bett mit dem Business!“ Im Schatten der protestierenden Linken steht ein Republikaner mit Cowboystiefeln, Filzhut und handbemaltem Poster: „Allgemeine Krankenversicherung gleich allgemeine Steuererhöhung“. „Ein Clinton ist genug“, fordert sein Nachbar.

Schwere Vorwürfe

Es sind die Argumente, die noch heftig auf die frühere First Lady einprasseln werden, wenn sie denn die Vorwahl der Demokraten gewinnt und sich erst mit dem Spitzenmann der Republikaner duelliert. Bisher haben die Vorwürfe ihr nichts anhaben können. Auch die Kritik, sie sei nicht wählbar, weil sie zu stark polarisiere, perlt ab. Etwa die Hälfte der Demokraten stärkt ihr den Rücken, nur noch 20 Prozent unterstützen den Blitzstarter Barack Obama.

„Jeder sagt, das ist die neue Präsidentin“, so Bruce McClelland, ein Mittfünfziger, auf dessen T-Shirt der bärtige Bill Clinton der Oxforder Studentenzeit prangt: „Meine Frau sagt, sie ist so klug, so professionell, ganz klar, dass sie gewinnt. Sie kann auf einmal sehr charmant sein.“ Und was sagt er selber? „Meine Stimme bekommt Obama. Der ist frischer. Hillary hat die größere Kundenkartei, Barack hat eine echte Vision.“


 
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