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Flüchtlinge zwischen Ungarn und Serbien
Röszke: Jetzt regiert das Chaos

Röszke: Gefangen im Niemandsland zwischen Ungarn und Serbien
Flüchtlinge schauen durch Schlitze des Zauns nach Ungarn. FOTO: ap
Röszke. Für Flüchtlinge gibt es praktisch kein Durchkommen Richtung Ungarn. Im Streifen zwischen den Grenzen gärt es. Zeitgleich schottet sich Ungarn weiter ab: Nun soll auch ein Zaun an der Grenze zu Rumänien gebaut werden.

Ungarn hat die Grenze zum südlichen Nachbarn Serbien weitgehend geschlossen. Nun soll der nächste Schritt gegen den Flüchtlingsstrom folgen: Ein Zaun an der Grenze zu Rumänien.

Hunderte Menschen waren am Dienstag im Niemandsland zwischen Serbien und Ungarn gefangen und verlangten, in die EU gelassen zu werden. Etwa 155, die den Grenzzaun durchbrachen, wurden gemäß den neuen Gesetzen festgenommen, wie die Behörden mitteilten. In der Region gilt der Notstand. Auch jenseits der Grenze in Serbien regierte das Chaos.

Es sei inakzeptabel, dass Migranten aus Ungarn nach Serbien zurückgeschickt werden, wenn dort gleichzeitig täglich neue aus Griechenland und Mazedonien ankämen, sagte der serbische Außenminister Ivica Dacic. "Serbien kann nicht alleine damit fertig werden." Sein für Flüchtlingsfragen zuständiger Kollege Aleksandar Vulin forderte Ungarn auf, den wichtigen Grenzübergang zwischen Röszke und Horgos wieder zu öffnen.

Die dor verlaufende Bahnstrecke war in den vergangenen Wochen die von Migranten am meisten genutzte Route in die EU gewesen. Ungarn stellte am Montagabend einen mit Stacheldraht bewehrten Güterwagen auf die Schienen, um die Strecke zu blockieren. Am Dienstag waren nur noch zwei der sieben regulären Grenzübergänge zu Serbien geöffnet.

Im Gebiet zwischen den beiden Grenzen kochte die Frustration der Flüchtlinge hoch. Tausende versuchten, in einen kleinen Container zu gelangen, in dem Asylsuchende registriert werden können. Doch nur 20 von ihnen schafften es zunächst, sich hineinzuzwängen. Viele skandierten "Öffnet die Grenze" und beschimpften die ungarische Bereitschaftspolizei. Einige bauten ihre Zelte auf und stellten sich offenbar auf eine längere Wartezeit ein.

Neben dem Grenzzaun will Ungarn auch einen zum EU-Land Rumänien bauen, um auch Alternativrouten zu sperren. Der Zaun werde sich nicht entlang der gesamten rund 450 Kilometer langen Grenze erstrecken, sondern zunächst vom Drei-Länder-Eck mit Serbien und Rumänien bis hin zum Fluss Maros, sagte Außenminister Peter Szijjarto. Das ist eine Strecke von ungefähr 25 Kilometern.

Das rumänische Außenministerium kritisierte die Pläne. Sie seien keine faire Geste zwischen EU-Partnern und liefen gegen den europäischen Geist, hieß es.

Bislang zieht die EU in ihrer Flüchtlingspolitik aber ohnehin nicht an einem Strang. Auch ein Krisentreffen der Innenminister am Montagabend brachte keinen Durchbruch. Sie einigten sich grundsätzlich zwar auf eine Verteilung von Asylsuchenden, nicht aber darauf, welches Land wie viele aufnehmen soll.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr österreichischer Kollege Werner Faymann forderten einen Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs zur Flüchtlingskrise. Über die Quotenregelung sollen allerdings weiter die Innenminister beraten. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico betonte am Dienstag aber einmal mehr: "Wir werden nie verbindliche Quoten unterstützen".

Ungarn setzt seine Hoffnungen ohnehin nicht auf Brüssel. In zwei Regionen im Süden verhängte die Regierung am Dienstag den Notstand.
Damit sind die Behörden dort nun befugt, Straßen zu schließen, Asylprozesse zu beschleunigen und letztlich auch das Militär einzusetzen. Ein neues Gesetz dafür ist zwar noch nicht verabschiedet, doch bereits in den vergangenen Tagen waren entlang der Grenze Soldaten aktiv.

Eine weitere Maßnahme sind strengere Strafen für den illegalen Grenzübertritt, die am Dienstag in Kraft traten.

(ap)
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