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Ungarische Grenze
In Röszke endet der Traum von Europa

Ungarische Polizisten sperren letzte Lücke am Grenzzaun
Ungarische Polizisten sperren letzte Lücke am Grenzzaun FOTO: afp, ak ej
Budapest / Rözske. Bis kurz vor Torschluss fliehen die Menschen aus Serbien nach Ungarn - am Nachmittag verschließen eilig zusammengezogene Polizisten dann das letzte Schlupfloch. Auge in Auge stehen sie den Flüchtlingen gegenüber. Verzweiflung macht sich breit.

Am frühen Abend schloss die Polizei den letzten bisher freien Durchgang an der ungarisch-serbischen Grenze. Ab Mitternacht  sollen schärfere Gesetze gelten, die illegale Einreise als Straftat behandeln.

Bilder von der Grenze zeigen, wie die Flüchtlinge vor dem verschlossenen Zugang nach Europa stehen. Manche blicken an den Polizisten vorbei auf die andere Seite der Grenze. Dahinter liegt Ungarn, dann Österreich, dann Deutschland. Ein Vater diskutiert, er trägt dabei seine Tochter auf dem Arm. Vergeblich. Für sie endet hier vorläufig der Traum von einem besseren Leben. Über Asylanträge will Ungarn ab Dienstag in beschleunigten Verfahren entscheiden. 

Die Stelle an den Bahngleisen bei Röszke, an der die Schienen aus Serbien nach Ungarn führen, war bisher frei passierbar und wurde während der vergangenen Wochen von Zehntausenden Flüchtlingen genutzt. Unter starkem Polizeischutz begannen Armeeangehörige, die etwa 15 Meter breite Lücke mit Stahldrähten zu verschließen.

"Ab heute wird sich die Lage dramatisch ändern", kündigte der stellvertretende Parlamentspräsident, Gergely Gulyas, in Röszke an.
Da Ungarn offensichtlich nach der vollständigen Sperrung seiner Grenze Probleme erwartet, wurden in der Nähe des Grenzzauns viele Hundert Polizisten zusammengezogen. Pferdestaffeln patrouillierten entlang des Zaunes, Hubschrauber überflogen den Ort.

Polizisten in drei Verwaltungsbezirken an der serbischen und rumänischen Grenze sowie im Großraum Budapest waren in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Beamten wurden auch aus dem Urlaub zum Dienst gerufen, Ruhetage wurden gestrichen.

Allein bis Montagmittag kamen 5353 neue Flüchtlinge aus Serbien nach Ungarn, teilte die Polizei in Budapest mit. Es waren fast so viele wie am Vortag, als 5809 Menschen kamen. Damit zeichnete sich für Montag eine Höchstzahl an Flüchtlingen ab. Bei den oft gut über die Entwicklung in Europa informierten Flüchtlingen hat sich eine Art Torschlusspanik breitgemacht. 

Von Dienstag an gilt illegaler Grenzübertritt in Ungarn als Straftat, die mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden kann. Bislang ist es nur eine Ordnungswidrigkeit. Kommt Sachbeschädigung hinzu - etwa wenn ein Flüchtling den Grenzzaun durchschneidet - erhöht sich das maximale Strafmaß auf fünf Jahre. Anstelle der Haftstrafe ist auch eine sofortige Abschiebung möglich.

Bilder von der serbisch-ungarischen Grenze nach der Schließung zeigt unsere Fotostrecke.

(dpa)
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