Zur Amtseinführung: Rom erwartet 500.000 Pilger
zuletzt aktualisiert: 23.04.2005 - 16:07Rom (rpo). Bis zu einer halben Million Menschen erwarten die Sicherheitsbehörden am Sonntagvormittag zur Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. in Rom. Allein 100.000 Deutsche wollten demnach zu dem Gottesdienst anreisen, der um 10 Uhr auf dem Petersplatz beginnt. Die Vorbereitungen in Rom laufen unterdessen auf Hochtouren.
Die deutsche Delegation mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an der Spitze wollte am Samstagnachmittag nach Rom reisen. Am Samstagmittag empfing der deutsche Papst rund 4.000 Journalisten im Vatikan. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in die Kurie nach Rom berufen werden.
Bei dem Gottesdienst am Sonntagvormittag sollten dem Papst das Pallium und der Fischerring übergeben werden, die für seine Bedeutung in der katholischen Kirche stehen. Für die Zeremonie trafen die römischen Behörden - wie schon zur Beerdigung von Johannes Paul II. am 8. April - strengste Sicherheitsvorkehrungen. Ab Samstagnachmittag sollte der Flughafen Ciampino für gewöhnliche Flüge geschlossen sein; der Luftraum über Rom sollte von Sonntagmorgen um 8 Uhr bis 16 Uhr gesperrt sein. Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie ein Überwachungsflugzeug der NATO sollten den Luftraum kontrollieren.
Rund 7.000 zusätzliche Sicherheitskräfte waren im Einsatz; weitere 2.000 Freiwillige wollten dabei helfen, den Ansturm der Pilger zu bewältigen und etwa Wasser an die Gläubigen zu verteilen. Zur feierlichen Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. wurden neben den hunderttausenden Pilgern etwa 140 Gesandtschaften aus aller Welt erwartet, unter ihnen auch mehr als 30 Staats- und Regierungschefs, die der Papst im Anschluss an den Gottesdienst empfangen wollte. Gemeinsam mit dem Bundespräsidenten und dessen Frau Eva Luise Köhler wollten auch Bundeskanzler Schröder mit seiner Frau Doris Schröder-Köpf, Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel am Nachmittag nach Rom reisen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und seine Frau Karin wollten separat an- und abreisen.
Der Leiter der italienischen Zivilschutzbehörde, Guido Bertolaso, schloss im Vorfeld der Feierlichkeiten nicht aus, "dass der Heilige Vater eine angenehme Überraschung für uns auf Lager hat - vielleicht ein Bad in der Menge nach dem Gottesdienst". An mehreren Standorten in Rom sollte die Amtseinführung auf Großbildschirmen übertragen werden.
Nach ihren guten Erfahrungen beim Massenansturm der Gläubigen zur Beisetzung von Johannes Paul II. fühlte sich die Stadt Rom ausreichend gewappnet. "Das wird wie ein Abendessen daheim", hatte Bürgermeister Walter Veltroni vor wenigen Tagen gesagt. "Alles unter drei Millionen ist ein Kinderspiel." Am Montag wollte der Papst die aus Deutschland angereisten Katholiken zu einer Sonderaudienz empfangen.
Bei der Audienz für die Journalisten im Vatikan dankte der Papst ihnen für ihre Arbeit. "Ich weiß, wieviel sie in den vergangenen Tagen gearbeitet haben, und dass es eine sehr anstrengende Arbeit war, weg von zu Hause und von ihren Familien", sagte Benedikt XVI. Er wisse den Einsatz der Journalisten zu schätzen und wolle den "herzlichen Dialog" fortführen, den sein Vorgänger Johannes Paul II. mit den Medien aufgenommen habe. Das aus Bayern stammende Kirchenoberhaupt wandte sich auch auf Englisch, Französisch und Deutsch an die Journalisten.
Die "Bild"-Zeitung berichtete am Samstag unter Berufung auf Kirchenkreise, der Mainzer Kardinal Lehmann wolle bis Montag entscheiden, ob er dem Ruf nach Rom folge. Ein Sprecher des Kardinals bezeichnete den Bericht als "reine Spekulation". Der 68-jährige Lehmann galt bislang innerhalb der Kirche als Reformer und auch als Kritiker des zum Papst gewählten Joseph Ratzinger.
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