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Interview mit Aufstands-General: "Rote Armee so stark wie Alliierte in Normandie"

VON RUDOLF GRUBER - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006 - 17:33

Budapest (RP). Bela Kiraly (94) war neben Verteidigungsminister Pal Maleter die militärische Schlüsselfigur des Ungarn-Aufstandes. Der Berufssoldat gehörte im Zweiten Weltkrieg zeitweilig den faschistischen „Pfeilkreuzlern“ an, wechselte dann in den Widerstand gegen die Nazis und rettete Juden. Nach 1945 trat er Ungarns kommunistischer Partei bei, machte Karriere in der Armee, fiel aber 1951 in Ungnade. Wegen angeblicher Spionage für die USA wurde Kiraly zum Tode verurteilt, saß vier Jahre in der Todeszelle und danach zu lebenslanger Haft begnadigt. Erst kurz vor dem Aufstand 1956 kam er frei. Die Revolutionsregierung Nagy rehabilitierte ihn und beauftragte den Generalleutnant mit Gründung und Kommando einer neuen Nationalgarde.

Welche Bedeutung hat das Jahr 1956 heute noch für Ungarn?
Kiraly: Die Ungarn haben den Nachweis geliefert, dass man Freiheit und Demokratie gegen eine diktatorische Großmacht durchsetzen kann. Wir haben 1956 einen Grundstein für den Zusammenbruch des Kommunismus 1989 gelegt. Ungarn war der erste demokratische Staat im ehemaligen Ostblock. Wir haben sozusagen die erste Bresche geschlagen.

Das Parlament in Budapest beschloss die Neutralität und den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt. Hätte man nicht wissen müssen, dass der Kreml dies nie akzeptieren würde?
Premier Nagy wollte das Einparteisystem gar nicht abschaffen, er wollte einen Kommunismus mit menschlichem Antlitz. Aber er stand unter enormem Druck der Straße, denn die Ungarn wollten etwas ganz anderes - ein Mehrparteiensystem, geheime Wahlen usw. Vor allem die ein Jahr zuvor in Österreich deklarierte Neutralität weckte große Hoffnungen. Sie fragten sich: Wenn die Russen aus Österreich abziehen, warum nicht auch aus Ungarn?

Stattdessen kam es am 4. November zur endgültigen Niederschlagung der Revolution. Hat die Regierung Nagy die Lage völlig falsch eingeschätzt? 
Der Beschluss zur Intervention fiel schon viel früher. Bereits am Morgen des 31. Oktober marschierten Truppen des Warschauer Pakts an Ungarns Grenzen auf. Heute wissen wir aus russischen Quellen, dass es 16 Divisionen, 2000 Panzer, waren. Das kann man vergleichen mit den Kräften der Alliierten bei der Landung in der Normandie 1944. Der Austritt aus dem Warschauer Pakt am 1. November war nicht Ursache, sondern Folge der sowjetischen Aggression.


 
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