| 16.11 Uhr

Provokatives Weltkriegsgedenken
Russische "Nachtwölfe" starten Biker-Tour nach Berlin

2016: Die Nachtwölfe machen sich auf den Weg nach Berlin
2016: Die Nachtwölfe machen sich auf den Weg nach Berlin FOTO: dpa, ms pt
Moskau . Trotz internationaler Kritik und eines polnischen Einreiseverbots hat der russische Rockerclub "Nachtwölfe" seine Motorrad-Tour zum Weltkriegsgedenken nach Berlin gestartet.

Clubpräsident Alexander Saldostanow alias "Chirurg" brach mit rund 20 Mitstreitern am Freitagmorgen mit wehenden roten Fahnen in Moskau auf, berichtete die Agentur Tass. Saldostanow gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Bereits in den Jahren zuvor hatten sich die Rocker anlässlich des Jahrestages des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland auf den Weg nach Berlin gemacht. 2015 hatte die Reise jedoch für Aufsehen gesorgt: Polen hatte die Tour als Provokation kritisiert und den Rockern zeitweilig die Einreise verweigert. Auch Berliner Behörden hatten die Visa mehrerer Mitglieder annulliert.

Fahrt durch Osteuropa

Die Fahrt soll in diesem Jahr wieder durch Weißrussland, Polen, die Slowakei, Österreich und Tschechien bis nach Berlin führen, wo sie am 9. Mai endet. Dort wollen die "Nachtwölfe" Kränze niederlegen. Zusätzlich sei eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern angemeldet, wie die Berliner Polizei bestätigt. Die Veranstalter planten auch eine Fahrt quer durch die Stadt. "Ob das so stattfindet, ist noch völlig unklar", sagte eine Polizeisprecherin.

Saldostanow muss draußen bleiben - Schengen-Visum annulliert

Clubpräsident Saldostanow begleitet die "Nachtwölfe" nur bis zur weißrussischen Grenze. Sein Schengen-Visum wurde annulliert, weil er wegen der Ukraine-Krise auf der Sanktionsliste der EU steht. Die Biker unterstützen Positionen der prorussischen Separatisten in der Ostukraine. "Uns aufzuhalten wird nur noch mehr Widerstand hervorbringen", sagte Saldostanow. "Wir haben vergangenes Jahr versprochen, wieder nach Berlin zu kommen - und so wird es auch sein."

Die Reise der übrigen "Nachtwölfe" könnte an der polnischen Grenze enden. Ein Sprecher des Warschauer Außenministeriums sagte, die russische Botschaft in Warschau sei über das Einreiseverbot für die "Nachtwölfe" informiert worden. Der Sprecher begründete dies mit der "Sicherung der öffentlichen Ordnung". Russland betreibe eine Desinformationskampagne über Polens Umsetzung eines Vertrages der Kriegsgräberfürsorge.

Das russische Außenministerium bestellte die polnische Botschafterin in Moskau ein. Die Entscheidung Polens sei eine Verhöhnung der Opfer im Kampf gegen den Faschismus und werde die bilateralen Beziehungen belasten, hieß es.

Simple Werte im Club

Die Nachtwölfe demonstrieren gern Stärke. Die Werte, die die Mitglieder des Clubs nach eigenen Angaben propagieren, scheinen hingegen recht simpel - Vaterlandsliebe, Glauben und Verzicht auf Drogen. Daneben mischen sie allerdings auch politisch kräftig mit.

Ein Motorradclub nach US-Vorbild wie etwa die Hells Angels wollen die Nachtwölfe nicht sein. Ein Spitzenmann des Clubs nannte den Lebensstil eines Bikers einmal "asozial". Es gehe "nur um Bier trinken, Gläser zertrümmern und zuschlagen, wenn jemand ein Problem damit hat". Bei den "Nachtwölfen" sei Gewalt "das letzte Mittel".

Im Jahr 1989 kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion gegründet, breitete sich der Rockerclub im Gebiet der ehemaligen UdSSR aus und zählt heute rund 5000 Mitglieder, darunter den vom Kreml unterstützten tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow.

Saldostanow fährt bei offiziellen Paraden auch mal neben dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der seinerseits den Patriotismus der Rocker rühmt. Demonstrativ bekundeten die martialischen Biker in der Vergangenheit zum Beispiel ihre Unterstützung für die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland. Das Club-Motto lautet: "Wo wir sind, ist Russland."

Obwohl der Club zahlreiche Ableger hat, müssen Aspiranten in die "Wolfshöhle" nach Moskau. Um aufgenommen zu werden, muss ein Bewerber unter anderem von einem Mitglied eingeladen werden und zwei Jahre lang an Club-Veranstaltungen teilnehmen.

(felt/dpa/AFP)
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