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Nach Kampfjet-Abschuss
Der Abschuss verdeutlicht das syrische Chaos

Fotos: Kampfjet an türkisch-syrischer Grenze abgeschossen
Fotos: Kampfjet an türkisch-syrischer Grenze abgeschossen FOTO: dpa, sdt jak
Meinung | Düsseldorf. Ein russisches Kampfflugzeug ist im syrisch-türkischen Grenzgebiet abgeschossen worden. Im türkischen Luftraum, sagen die Türken. Nie im Leben, behaupten die Russen und stellen sich als Opfer eines tückischen Dolchstoßes dar. Von Matthias Beermann

Auch wenn noch nicht ganz klar ist, wie es zu diesem Zwischenfall gekommen ist, er war leider vorhersehbar. Und schlimmer noch: Er kann sich jederzeit wiederholen.

Das hat nicht allein mit dem Gedränge im syrischen Luftraum zu tun, wo neben den Flugzeugen der von den USA angeführten westlichen Allianz gegen den "Islamischen Staat" (IS) und der syrischen Luftwaffe seit einigen Wochen auch russische Jets operieren. Das liegt vor allem daran, dass die verschiedenen Akteure weiterhin völlig unterschiedliche taktische wie strategische Ziele verfolgen.

Während die Staaten der Koalition sich darauf konzentrieren, die IS-Dschihadisten in Syrien und im Irak anzugreifen, fallen türkische Bomben weiterhin auch auf die Stellungen kurdischer Kämpfer, die am Boden in Gefechte mit dem IS verwickelt sind.

Und Wladimir Putins Piloten greifen jeden an, der gegen Syriens Diktator Baschar al Assad die Waffe erhebt, vor allem aber Rebellen-Gruppen, obwohl diese ebenfalls gegen den IS kämpfen.

Auch wenn bisher nicht zweifelsfrei geklärt ist, ob der abgeschossene russische Jet im türkischen Luftraum unterwegs war, so steht doch fest, dass er weit entfernt von jenen Gebieten operierte, in den es IS-Verbände gibt.

Die türkische Regierung wirft Moskau seit Tagen vor, turkmenische Dörfer in Syrien anzugreifen, in die noch nie ein Dschihadist seinen Fuß gesetzt hat.

Der Abschuss hat deutlich gemacht, wie schwierig es sein wird, eine große Allianz gegen die Terror-Armee des IS zu bilden, der jetzt alle das Wort reden.

Solange Russen und Türken nicht aufhören, unter dem Banner des Kampfes gegen die Dschihadisten in der Region in Wirklichkeit ihre ganz eigenen Kriege zu führen, ist ein solches Bündnis nichts wert.

Schlimmer noch, es spielt den Terrorfürsten des selbst ernannten IS-Kalifats in die Hände.

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