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"Russland-Connection"
Trump will Sonderteam und Krisenzentrum einrichten

"Russland-Connection": Trump will Sonderteam und Krisenzentrum einrichten
Jared Kushner (Archivaufnahme). FOTO: rtr, JE/MJB LIM /kv
Der Schwiegersohn und enger politischer Berater von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, in den Strudel der sogenannten Russland-Connection geraten. US-Medien berichten über die Pläne Trumps, ein Krisenzentrum einzurichten. Von Frank Herrmann, Washington

Es sollte so etwas wie ein bodenständiger Kontrapunkt zu den roten Teppichen in Riad und Jerusalem, Brüssel und Taormina werden. Am Donnerstag wollte Donald Trump in die amerikanische Provinz fliegen, in den Maisstaat Iowa, um in der Stadt Cedar Rapids vor Leuten zu reden, die ihm trotz aller Eskapaden die Treue halten. Nun aber fällt der Auftritt im Mittleren Westen ins Wasser. Der Präsident hat ihn gestrichen, denn vorläufig kann er nicht weg aus Washington, wo er sich hektischem Krisenmanagement zu widmen hat.

Am Sonnabend aus Sizilien zurückgekehrt ins Weiße Haus, ist es einmal mehr die Russland-Akte, die seine Zeit in Anspruch nimmt. Eine Serie von Vorwürfen, nach denen einige seiner Wahlkampfberater geheime Absprachen mit dem Kreml getroffen haben sollen. Nach Berichten von US-Medien sind private Anwälte Trumps darauf eingestellt, die Juristen der Machtzentrale zu unterstützen. Der Präsident, meldet die Washington Post, denke bereits an einen "War Room", ein mit hochkarätigen Advokaten besetztes Krisenzentrum, wie es Bill Clinton bildete, um an Abwehrstrategien zu basteln, nachdem seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky bekannt geworden war.

Jared Kushner im Fokus

Auch sonst brodelt es gerade ziemlich heftig in der Gerüchteküche. Von einem anstehenden Befreiungsschlag ist die Rede, von Personalrochaden, davon, dass Trumps sichtlich überforderter Sprecher Sean Spicer in den Hintergrund tritt. Und bei der Russland-Connection dreht sich momentan alles um Jared Kushner, den Schwiegersohn des Präsidenten. 

Der 36-Jährige, von seinem Schwiegervater zum Wunderknaben verklärt, soll der russischen Regierung während der Übergangsperiode zwischen Wahl und Amtseinführung vorgeschlagen haben, einen geheimen Kommunikationskanal zu installieren. Angeblich abhörsicher verschlüsselt und brisanterweise so organisiert, dass er an der eigenen Administration vorbeiführt, nämlich unter Nutzung diplomatischer Einrichtungen Russlands. Anfang Dezember traf sich Kushner, damals noch Immobilienunternehmer ohne Erfahrung in öffentlichen Ämtern, im New Yorker Trump Tower mit Sergej Kisljak, dem russischen Botschafter. Mit dabei war Michael Flynn, der Ex-General, der bald darauf Nationaler Sicherheitsberater wurde, aber nur, um nach gerade mal 24 Tagen im Amt zurückzutreten. Was Trumps Emissären vorschwebte, schreibt die New York Times, waren direkte Drähte, derer sich Flynn bedienen sollte, um hinter den Kulissen mit Militärexperten in Moskau zu reden. 

Geheime Kanäle gehören dazu

Nun gehören geheime Gesprächskanäle zum Kreml zur amerikanischen Diplomatie wie der Rosengarten zum Weißen Haus. John F. Kennedy, um nur ein Beispiel zu nennen, wusste sie sehr zu schätzen. Regelmäßig ließ er seinen Bruder Robert, den damaligen Justizminister, klandestine Treffen mit Georgi Bolschakow arrangieren, einem Geheimdienstmann, der zur Tarnung Presseattaché der sowjetischen Botschaft war. Im Herbst 1962 trugen die streng vertraulichen Kontakte wesentlich dazu bei, die Kubakrise zu entschärfen, jenes Wandeln am Abgrund eines Krieges, das die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf der Karibikinsel heraufbeschworen hatte. Geheimkanäle, sagt denn auch Trumps Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster, "erlauben Ihnen, diskret zu kommunizieren". Man pflege sie mit einer ganzen Reihe von Staaten. 

Im Falle Kushners liegen die Dinge allerdings etwas anders. Offensichtlich wollte oder sollte er nicht bis zur Vereidigung Trumps am 20. Januar warten, sondern schon Wochen zuvor einen "back channel" organisieren. Wer so etwas tut, dies ist die Quintessenz der Vorwürfe, konterkariert die Außenpolitik des Amtsinhabers. Der verletzt den Grundsatz, nach dem Amerika nur eine Außenpolitik haben kann, eine von der jeweiligen Administration betriebene. Publik wurde Kushners Ansinnen, weil Kisljak es postwendend nach Moskau weitergeleitet hatte. Da US-Geheimdienste die Kommunikation des russischen Botschafters überwachen, wurde die Initiative des Schwiegersohns zu einem Geheimnis, das nur darauf wartete, der Presse zugespielt zu werden.

 

 
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