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Terrorismus-Vorwürfe
Russland und Türkei liefern sich heftigen Streit wegen Syrien

Ankara. Die Türkei und Russland haben sich einen heftigen Schlagabtausch wegen des Syrienkonflikts geliefert. Moskau warf der Türkei am Montag wegen ihrer Angriffe auf kurdische Rebellenmilizen und syrische Regierungstruppen Unterstützung des "internationalen Terrorismus" vor.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bezichtigte Russland wiederum, sich wie "eine Terrororganisation" zu verhalten. Trotz der türkischen Angriffe rückten die Kurden in der Provinz Aleppo weiter vor.

"Moskau äußert seine ernste Besorgnis über das aggressive Vorgehen der türkischen Regierung gegen einen Nachbarstaat", erklärte das russische Außenministerium. Russland betrachte dies als "offene Unterstützung des internationalen Terrorismus". Es befürworte eine Debatte im UN-Sicherheitsrat über Ankaras "provokative Linie", die "eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit" schaffe.

Die türkische Armee beschießt seit Tagen Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der syrischen Regierungstruppen jenseits der Grenze. Nach eigenen Angaben reagierte sie damit auf Beschuss ihres eigenen Gebiets. Russland fliegt seit Ende September zur Unterstützung der syrischen Armee Luftangriffe auf Dschihadisten und andere Rebellen in Syrien.

Davutoglu verurteilt Russland

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu warnte am Montag, sollte sich "Russland weiter wie eine Terrororganisation verhalten und Zivilisten zur Flucht zwingen, werden wir eine extrem entschlossene Antwort geben". Russland und "andere Terrororganisationen" verübten "zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Der Ministerpräsident warnte zudem, die Türkei werde nicht zulassen, dass die kurdischen Milizen die Stadt Asas im Nordosten Syriens erobern. "Wir werden Asas nicht fallen lassen", sagte Davutoglu laut dem Sender NTV. "Die YPG werden nicht den Euphrat nach Westen überschreiten können und nicht östlich von Afrin (vorrücken)."

Die Türkei ist besorgt über das Vorrücken der Kurden in Syrien. Sie betrachtet die YPG als syrischen Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), gegen die sie einen blutigen Kampf führt. Die westlichen Alliierten der Türkei dagegen sehen die YPD als wertvollen Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und die radikale Al-Nusra-Front.

Trotz des Beschusses durch die türkische Armee rückten kurdische Kämpfer weiter in der Provinz Aleppo vor. Die kurdischen Milizen nutzten die Schwächung anderer Rebellengruppe durch die Offensive der syrischen Armee, um das Gebiet unter ihrer Kontrolle auszuweiten. Ihr Ziel ist es, ihre Kantone Kobane und Dschasire im Osten mit Afrin im Westen zu verbinden, was die Türkei auf jeden Fall verhindern will.

Menschenrechtler beobachteten türkische Kampfjets

Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, kämpften Kurden gegen islamistische Rebellen am Montag um die Ortschaft Tall Rifaat nahe Aleppo. Den nur schwer überprüfbaren Angaben der Beobachtungsstelle zufolge bombardierten türkische Kampfjets weiter eine Straße westlich von Tall Rifaat, um die Kurden am Vorrücken zu hindern.

Laut der Beobachtungsstelle überquerten am Sonntag etwa 350 islamistische Kämpfer die türkisch-syrische Grenze. Auch die Regierung in Damaskus warf der Türkei vor, Verstärkung nach Syrien geschickt zu haben. "Das ist nicht wahr", sagte der türkische Verteidigungsminister Ismet Yilmaz dazu am Sonntagabend. Das türkische Militär habe auch "nicht die Absicht", mit Truppen in Syrien zu intervenieren.

Bei einem mutmaßlich russischen Luftangriff wurde laut der Beobachtungsstelle eine Klinik der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) in der Region Maaret al-Numan zerstört und neun Menschen getötet. Der MSF-Chef in Syrien, Massimiliano Rebaudengo, sprach von einem "gezielten Angriff" auf eine medizinische Einrichtung, durch den etwa 40.000 Bewohner von medizinischer Versorgung abgeschnitten seien.

(AFP)
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