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Mutter eines US-Soldaten attackiert
Jetzt geht Donald Trump sogar seinen Fans zu weit

Donald Trump geht zu weit: Mutter eines Soldaten attackiert
Versteht die Aufregung nur teilweise: Donald Trump. FOTO: dpa, msc axs
New York. Mit respektlosen Äußerungen über die Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten hat Donald Trump einen Tabubruch begangen. Soldaten und ihre Familien werden in den USA als moderne Helden verehrt. Selbst treue Unterstützer des Unternehmers gehen merklich auf Distanz.

Trump ist auch in der eigenen Partei stark in die Defensive geraten. Der republikanische Senator John McCain erklärte am Montag, die Tatsache, dass Trump zum Präsidentschaftskandidaten nominiert worden sei, gebe ihm "keinen Freibrief, jene zu diffamieren, die unter uns die Besten sind". Selbst Trumps Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Mike Pence, sowie andere namhafte Republikaner äußerten sich distanziert.

Trump selbst verteidigte sich am Montag für seine Bemerkungen über die Eltern des Soldaten, mit denen er nach Ansicht vieler ein politisches und soziales Tabu gebrochen hat. Er sei vom Vater des 2004 im Krieg umgekommenen Hauptmanns Humayun Khan auf dem Nominierungsparteitag und später im Fernsehen "bösartig angegriffen" worden, erklärte der erst kürzlich offiziell nominierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Das Augenmerk müsse auf "radikalem islamischem Terrorismus" liegen, nicht auf den Eltern, sagte er.

"Sie hatte nichts zu sagen"

Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten hatte der in Pakistan geborene Khizr Khan die Geschichte seines Sohnes erzählt und sich gegen Trump als Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen. Er stellte infrage, ob Trump jemals die Verfassung gelesen oder selbst Opfer gebracht habe. Seine Frau Ghazala stand bei der Rede stillschweigend an seiner Seite, was Trump zu dem Kommentar hinriss: "Sie hatte nichts zu sagen. Ihr war es vermutlich, vielleicht nicht erlaubt, etwas zu sagen."

Hauptmann Khan sei ein Held, und dessen Familie "sollte von jedem Amerikaner geschätzt werden", sagte Trumps auserkorener Vize Pence, selbst Vater eines Marineinfanteristen. Der Vater von Khan forderte die republikanische Parteiführung auf, sich von Trump zu distanzieren. Am Montag erklärte er im Sender CNN, er und seine Frau wollten "aus dieser Kontroverse heraus. Wir möchten unsere Würde bewahren."

Clinton: Land über Partei stellen

Trumps Kritik an den Eltern Khan stieß auch bei den Demokraten auf Empörung. Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, sagte am Sonntag, ihr republikanischer Widersacher im Ringen um das Weiße Haus habe auf das "ultimative Opfer" des Soldaten mit Beleidigungen und entwürdigenden Kommentaren über Muslime reagiert. Es sei an der Zeit, das Land über die Partei zu stellen, sagte Clinton an die Adresse der Republikaner gerichtet.

Am Wochenende war Trump bereits zurückgerudert und veröffentlichte eine Erklärung, in der er Humayun Khan als "einen Helden" bezeichnete. Der Vater habe aber nicht das Recht, vor Millionen Menschen Dinge über ihn, Trump, zu behaupten, die nicht wahr seien.

Mutter erklärt ihr Schweigen

Die beiden Spitzenrepublikaner in Repräsentantenhaus und Senat, Paul Ryan und Mitch McConnell, erklärten jeweils am Sonntag, sie verurteilten jegliche Kritik an muslimischen Amerikanern, die dem Land gedient hätten. Auch gegen Trumps vorgeschlagenes Einreiseverbot für Muslime sprachen sie sich aus. Namentlich erwähnten beide den Kandidaten aber nicht.

Ghazala Khan schrieb am Sonntag in der "Washington Post", es sei auch nach zwölf Jahren hart für sie, über den Tod ihres Sohnes zu sprechen. Sie habe deshalb nichts sagen können auf dem Parteitag. Im Sender CNN erklärte sie, weder ihre Familie noch ihre Religion hätten sie jemals daran gehindert, ihre Meinung zu sagen.

(ap)
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