Islamisches Gewand eine "Erniedrigung": Sarkozy: Burka in Frankreich unerwünscht
zuletzt aktualisiert: 22.06.2009 - 17:58Paris (RPO). Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat das Tragen der Burka als ein Symbol für Unterwerfung und Erniedrigung der Frauen bezeichnet. Das islamische Gewand, das den ganzen Körper der Frauen bedeckt, sei in Frankreich nicht willkommen, sagte Sarkozy am Montag in einer Rede vor beiden Kammern des Parlaments im Schloss Versailles bei Paris.
Er unterstützte die jüngst von Abgeordneten geforderte Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zum Tragen der Burka in Frankreich. Dies sei zunächst die beste Vorgehensweise.
Die Burka sei kein religiöses Problem, sondern ein Problem der Freiheit und der Würde der Frauen, sagte Sarkozy. "In unserem Land können wir es nicht akzeptieren, wenn Frauen hinter einem Sichtfenster Gefangene sind, abgeschnitten von allem Sozialleben und ihrer Identität beraubt", sagte Sarkozy.
Der Präsident setzte sich mit seinem nachdrücklichen Plädoyer gegen die Burka auch über Kritiker hinweg, die das Thema angesichts der geringen Zahl der Betroffenen für vernachlässigbar halten - zumal es erneut weltweit für Aufsehen und für erbitterten Streit mit der muslimischen Gemeinschaft in Frankreich sorgen könnte. Einwanderungsminister Eric Besson hat gewarnt, ein Burka-Verbot werde nur zu weiteren Spannungen führen. In Frankreich lebt mit schätzungsweise fünf Millionen Muslimen die größte islamische Glaubensgemeinschaft Westeuropas - Frauen in Burka sind im Straßenbild jedoch äußerst selten.
Über 50 Abgeordnete boykottieren Rede
Sarkozy kündigte vor den Abgeordneten für den Mittwoch eine Umbildung seiner konservativen Regierung an. Einzelheiten nannte er zunächst nicht. Der Auftritt vor beiden Parlamentskammern am Montag war die erste Rede eines französischen Präsidenten vor den Abgeordneten der Nationalversammlung und den Senatoren seit 136 Jahren. Zuletzt hatte sich 1873 ein Präsident an beide Häuser gewandt. Daraufhin wurde dem Präsidenten jenes Recht aberkannt, um eine trennschärfere Gewaltenteilung zu garantieren.
Die Opposition kritisierte Sarkozy am Montag denn auch vehement für seinen Auftritt mit majestätischem Zeremoniell, den die konservative Parlamentsmehrheit im vergangenen Jahr ermöglicht hatte. 54 Abgeordnete und Senatoren der Kommunisten, Grünen und der Linken boykottierten die Ansprache Sarkozys und bezeichneten sie als Medieninszenierung. Die linksliberale Zeitung "Libération" zeigte Sarkozy unter Anspielung auf seine Rede in Versailles in einer Karikatur mit Zepter und Krone: "Nicolas II.", prangte es den Lesern von der ersten Seite entgegen.
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