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Affront gegen Merkel: Sarkozy lobt Freund Rüttgers

VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 25.02.2008 - 09:39

Paris (RP). Mit seinem Besuch am Wochenende in Frankreich dürfte NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) beträchtliche Verstimmung in Berlin ausgelöst haben. Sein Zusammentreffen mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy könnte vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel unangenehm berühren.

Denn während Sarkozy ein Gespräch mit ihr über die geplante Mittelmeer-Union verschoben hat, nahm er sich am Wochenende sehr viel Zeit, um mit Rüttgers an einer Gedenkstunde für französische Widerstandskämpfer teilzunehmen. Sarkozy wollte mit seiner flammenden Ansprache offensichtlich innenpolitisch punkten.

Sein Auftritt mit Rüttgers kann auch als Seitenhieb auf Merkel verstanden werden kann. Denn zu ihr hat Sarkozy ein gespanntes Verhältnis, und auch Rüttgers verbindet nicht gerade eine herzliche Freundschaft mit der Kanzlerin. Einem Delegationsteilnehmer jedenfalls schwante nichts Gutes: „Die Fotos von Sarkozy und Rüttgers werden in Berlin sicher wehtun.“

Am Samstag wollte der Ministerpräsident auf dem Mont Valérien bei Paris einen Kranz niederlegen. Dort waren bis 1944 Tausende von Widerstandskämpfern von den deutschen Besatzern umgebracht worden. Womit niemand in Düsseldorf gerechnet hatte: Als Sarkozy von den Reiseplänen erfuhr, sagte er spontan seine Teilnahme zu. „Wir waren völlig überrascht“, heißt es in der Staatskanzlei.

Am Samstagmittag also schritten Sarkozy und Rüttgers auf dem Mont Valérien Seite an Seite zum Mahnmal. Veteranen mit Fahnen und Soldaten in historischen Uniformen säumten den Weg; ein Chor der französischen Armee stimmte den Partisanengesang an. Deutsche und französische Schüler erinnerten an die Gräueltaten der Nazis und beschworen eine friedliche Zukunft.

Der Staatspräsident zollte in seiner Rede dem Besucher aus NRW großes Lob: „Sie sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die erste deutsche politische Persönlichkeit, die zu diesem Ort kommt. Im Namen aller Franzosen, im Namen der Familien all derer, die die Erinnerung an den Mont Valérien lebendig halten, danke ich Ihnen für diese Geste.“ Rüttgers dankte Sarkozy: „Mein Land und ich fühlen uns sehr geehrt.“

Ebenso wie der Präsident kam auch er auf den im Sauerland geborenen Priester Franz Stock zu sprechen, der bis zu seinem Tod vor 60 Jahren in Frankreich tätig war und sich im Krieg um die gefangenen Widerstandskämpfer seelsorgerisch gekümmert hat. Viele musste er auf dem Mont Valérien zu ihrer Hinrichtung begleiten. Viele haben ihm ihre letzten Wünsche und Grüße an ihre Familien anvertraut. Abbé Stock gilt als einer der Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft.


 
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