| 19.06 Uhr

Krise im mittleren Osten
Riad bricht Handels- und Flugverbindungen in den Iran ab

Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran
Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran
Riad. Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran eskalieren: Das Königreich bricht alle Handels- und Flugverbindungen zum rivalisierenden Gottesstaat ab.

Die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien und gewaltsame Proteste dagegen im Iran haben zu bedrohlichen Spannungen zwischen schiitisch und sunnitisch dominierten Staaten in der ganzen Region geführt. Nach Saudi-Arabien brachen am Montag auch Bahrain und der Sudan ihre diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Riad stoppte zudem den Luftverkehr nach Teheran. Im Irak kam es zu anti-sunnitischer Gewalt. Russland brachte sich als Vermittler ins Spiel.

Die Krise war am Samstag von der Hinrichtung des schiitischen Herrschaftskritikers Scheich Nimr Baker al-Nimr wegen "Terrorismus" ausgelöst worden. Irans Geistiges Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei hatte Riad dafür mit der "Rache Gottes" gedroht. Als in Teheran die saudiarabische Botschaft und in Maschhad das saudiarabische Konsulat in Flammen aufgingen, brach die Golfmonarchie am Sonntagabend ihre diplomatischen Verbindungen zum Iran ab. Am Montag stoppte Riad auch sämtliche Flugverbindungen, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte.

Das mit Riad verbündete Bahrain warf Teheran "feige Angriffe" auf die saudiarabischen Einrichtungen und eine "gefährliche Einmischung" in die internen Angelegenheiten der Staaten der Region vor - und brach ebenfalls seine diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Auch der sunnitische Sudan vollzog am Montag den Schritt. Die Vereinigten Arabischen Emirate zogen ihren Botschafter aus dem Iran ab. Die Arabische Liga kommt am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung in Kairo zusammen, um "die iranische Einmischung in arabische Angelegenheiten zu verurteilen", wie ihr Vizegeneralsekretär Ahmed Ben Helli am Montag mitteilte.

In Teheran gingen am Montag den dritten Tag in Folge tausende Menschen aus Protest gegen die Hinrichtung von al-Nimr auf die Straßen und beschimpften die saudiarabische Königsfamilie. Anti-sunnitische Demonstrationen gab es auch im Libanon, in Pakistan und im indischen Teil Kaschmirs.

Vor allem im überwiegend schiitischen Irak stiegen die Spannungen. In Bagdad verlangten tausende Anhänger von Schiitenführer Muktada al-Sadr von ihrer Regierung, die Beziehungen zu Riad abzubrechen. Am Morgen hatten Bewaffnete Bomben vor zwei sunnitischen Moscheen im Zentrum des Landes gezündet und einen Mann getötet. In Iskandarija war ein sunnitischer Muezzin ermordet worden. Die irakische Regierung verurteilte die Angriffe als Versuch, "die nationale Einheit zu gefährden".

Die USA riefen Saudi-Arabien und den Iran zu Schritten auf, um die Spannungen abzubauen. Die Bundesregierung sowie mehrere europäische und arabische Länder brachten ihre großen Sorgen vor einer Eskalation zum Ausdruck.

Russland startete eine Vermittlungsinitiative. Moskau biete sich an, Gespräche zwischen den Außenministern aus Teheran und Riad auszurichten, sagte ein russischer Diplomat der Nachrichtenagentur Tass. "Wenn unsere Partner Saudi-Arabien und Iran ihren Willen und ihre Bereitschaft dazu zeigen, bleibt unsere Initiative auf dem Tisch", zitierte Tass den Diplomaten. In einer offiziellen Erklärung des Moskauer Außenministeriums wurden Teheran und Riad aufgerufen, "den Weg des Dialogs" einzuschlagen. Die russische Regierung sei bereit, derartige Bemühungen zu unterstützen, hieß es weiter.

Die Beziehungen zwischen Riad und Teheran sind seit der islamischen Revolution im Iran 1979 angespannt. Das sunnitische Saudi-Arabien wirft dem schiitischen Iran immer wieder eine Einmischung in arabische Angelegenheiten vor. Beide Staaten verfolgen zudem gegensätzliche Interessen in der Region. Teheran unterstützt etwa in Syrien Machthaber Baschar al-Assad, Saudi-Arabien unterstützt seine sunnitischen Gegner. Im Jemen ist es umgekehrt, dort stützt Teheran die schiitischen Huthi-Rebellen, die von einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition bekämpft werden, die den Präsidenten stützt.

(felt/AFP)
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