Rückschlag für Rice: Saudi-Arabien lehnt Isolierung der Hamas ab
zuletzt aktualisiert: 23.02.2006 - 12:38Riad (rpo). Bei ihrer ersten Nahost-Reise nach dem Wahlsieg der Hamas hat US-Außenministerin Condoleezza Rice einen weiteren Rückschlag einstecken müssen. Ihre Bemühungen um eine Isolierung der radikalislamischen Bewegung wurde von Saudi-Arabien zurückgewiesen. Zuvor hatte sich Ägypten geweigert, die Hamas zu isolieren.
Bei der Hilfe für das palästinensische Volk dürften nur humanitäre Erwägungen eine Rolle spielen, sagte der saudische Außenminister Saud al Faisal. Zuvor erteilte auch die ägyptische Regierung Rice eine Absage und erklärte, die Weltgemeinschaft solle die Hamas nicht vorverurteilen. Die US-Außenministerin reiste am Donnerstag in den Libanon weiter.
Die USA und die Europäische Union betrachten die Hamas als Terrororganisation. Am Dienstag wurde der relativ gemäßigte Hamas-Führer Ismail Hanija für das Amt des Ministerpräsidenten nominiert. Er hat fünf Wochen Zeit, eine Regierung zu bilden, an der er auch die bei der Parlamentswahl unterlegene Fatah von Präsident Mahmud Abbas beteiligen will.
Iran wirbt für Finanzhilfen für Hamas
Der Iran warb weiter um Finanzhilfen für die Hamas. "Als islamische Staaten sind wir verpflichtet, unseren Brüdern in Palästina zu helfen", sagte Außenminister Manutschehr Mottaki am Donnerstag bei einem Kurzbesuch in Indonesien. Der Plan der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Geld für die Hamas einzutreiben und die künftige palästinensische Regierung auch beratend zu unterstützen, müsse unbedingt verabschiedet werden.
Im Westjordanland kam es zu neuer Gewalt. Im Flüchtlingslager Balata bei Nablus erschossen israelische Soldaten einen 19-jährigen Palästinenser, wie Ärzte mitteilten. Nach Angaben seiner Familie war der junge Mann unbewaffnet. Die Streitkräfte erklärten indessen, sie hätten auf Jugendliche gefeuert, die mit Brandsätzen geworfen hätten.
Der Oberste Gerichtshof in Jerusalem bestellte unterdessen einen Vermittler zur Schlichtung eines Streits zwischen muslimischen Gruppen und dem Simon-Wiesenthal-Zentrum. Letzteres will ein Museum für religiöse Toleranz auf einem Gelände errichten, das einst ein Friedhof für Muslime war. Der frühere Oberste Richter Meir Schamgar soll sich nun um einen Kompromiss bemühen.
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