| 15.09 Uhr

Kampagne gegen Korruption
Saudi-Arabien lässt Dutzende Prinzen und Beamte festnehmen

Saudi-Arabien nimmt Prinzen und Beamte fest - auch Al-Walid bin Talal
Prinz Al-Walid bin Talal (Archiv). FOTO: dpa
Riad. In einem beispiellosen Schritt hat die Führung von Saudi-Arabien Dutzende Prinzen, Militärobere, Geschäftsleute und hochrangige Beamte festnehmen lassen. Unter ihnen war auch Prinz Al-Walid bin Talal, einer der reichsten Menschen des Nahen Ostens.

Das sagte ein Mitarbeiter dessen Investmentgesellschaft der Nachrichtenagentur AP. Der Aktienkurs des Unternehmens rauschte im Handel am Sonntag vorübergehend um fast neun Prozent in den Keller.

Prinz Al-Walid zählt zu den reichsten Menschen des Nahen Ostens. Er hat in Konzerne wie Twitter, Apple, Rupert Murdochs News Corporation, die Citigroup und die Hotelkette Four Seasons investiert. Er gilt außerdem als einer der meinungsstärksten saudischen Royals und hat sich lange für mehr Frauenrechte stark gemacht.

Immer wieder Vorwürfe gegen oberste Regierungsebene

Die überraschenden Festnahmen wurden in den regierungsnahen Medien als bislang größten Schritt gepriesen, dass Kronprinz Mohammed bin Salman sein Versprechen zur Reformierung des Landes einhält. In Saudi-Arabien gibt es seit langem Vorwürfe, dass die oberste Regierungsebene korrupt sei. König Salman hatte den Kronprinzen am Samstagabend zum Chef eines Antikorruptionsausschusses ernannt.

Beobachter sahen in der Festnahme von einst unangreifbaren Mitgliedern der Königsfamilie ein Zeichen dafür, dass der 32 Jahre alte Kronprinz mögliche Rivalen und Kritiker aus dem Weg schaffen möchte. Der schnelle Machtzuwachs von Mohammed hat Unruhe bei erfahreneren, älteren Mitgliedern der Al-Saud-Familie geschaffen.

Aus saudischen Regierungskreisen verlautete, dass elf Prinzen und 38 weitere Personen in einem Fünfsternehotel in Riad festgehalten würden. Das Finanzministerium teilte mit, die Untersuchungen gegen Bestechlichkeit eröffneten "eine neue Ära der Transparenz und Rechenschaft".

Chef der Nationalgarde entlassen

Das Ausmaß der Festnahmen ist beispiellos in Saudi-Arabien, wo hochrangige Royals und ihre Geschäftspartner als über dem Gesetz stehend betrachtet werden. Saudische Bürger haben sich seit langem über die grassierende Korruption der Oberen beschwert.

Kurz vor der Bekanntgabe hatte Salman den Chef der Nationalgarde, Prinz Miteb bin Abdullah, entlassen. Dieser soll sich Medienberichten zufolge ebenso wie sein Bruder Prinz Turki bin Abdullah, ein früherer Gouverneur von Riad, unter den Festgenommenen befinden. Beide sind Söhne des verstorbenen Königs Abdullah, Prinz Miteb wurde einst als möglicher Thronfolger gehandelt.

Nur Stunden zuvor hatte am Samstag der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri in Saudi-Arabien seinen Rücktritt von seinem Amt bekanntgegeben. Ob das etwas mit den darauffolgenden Entwicklungen in Saudi-Arabien zu tun hatte, ist unklar.

Das Weiße Haus in Washington veröffentlichte neue Einzelheiten zu einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und König Salman. Zu den nächtlichen Festnahmen äußerte es sich dabei aber nicht.

(hebu/ap)
 
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