Videobotschaft: Sawahiri ruft Palästinenser zum Boykott von Referendum auf
zuletzt aktualisiert: 09.06.2006 - 16:25Dubai/Rafah (rpo). Mit einer neuen Videobotschaft hat sich Al-Qaida-Vizechef Aiman el Sawahiri in den palästinensischen Streit um das Referendum zur nationalen Einigung eingeschaltet. Die Palästinenser sollten das von Präsident Abbas für den 31. Juli anberaumte Referendum boykottieren, sagte Sawahiri im Fernsehsender al Dschasira.
"Ich rufe Sie auf, das Referendum über Palästina zurückzuweisen, weil über Palästina nicht zu verhandeln und zu feilschen ist", appellierte Sawahiri an alle Moslems. "Palästina war Boden des Islam und seine Befreiung ist die Pflicht eines jeden Moslems." Der weltweit gesuchte Ägypter Sawahiri gilt als Nummer zwei des Terrornetzwerks El Kaida hinter Osama bin Laden. Die Videobotschaft tauchte einen Tag nach der Nachricht vom Tod des El-Kaida-Anführers im Irak, Abu Mussab el Sarkawi, auf. Sarkawi war am Mittwoch bei einem gezielten Luftangriff in Baakuba nördlich von Bagdad getötet worden.
Unbeirrt vom Widerstand der radikalislamischen Hamas-Regierung hatte Abbas am Donnerstag den Termin für das Referendum bekannt gegeben. Der Volksentscheid in den Autonomiegebieten werde am 31. Juli stattfinden, sagte sein Sprecher Nabil Abu Rudeina. Bereits am Freitag unterzeichnete Abbas den entsprechenden Erlass, wie ranghohe Vertreter der Autonomiebehörde AFP mitteilten. Am Donnerstag waren in Gaza tausende Palästinenser einem Aufruf von Hamas und Islamischem Dschihad gefolgt und hatten gegen die Volksbefragung protestiert.
"Wir brauchen kein Referendum", sagte Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija der israelischen Zeitung "Jediot Ahronot" vom Freitag. Die Hamas tue alles, um den nationalen Dialog zwischen den rivalisierenden Palästinenserorganisationen zum Erfolg zu führen. Hamas und Abbas' Fatah ringen seit Wochen um die Macht. Der Einigungs-Plan hat zum Ziel, einen unabhängigen palästinensischen Staat in den 1967 von Israel besetzten Gebieten zu gründen. Die Hamas lehnt ihn ab, weil Israel damit indirekt anerkannt würde. Zugleich wirft sie Abbas vor, mit der Ausrufung des Referendums seine Kompetenzen zu überschreiten.
Samhadana und drei weitere Aktivisten wurden bei einem israelischen Luftangriff auf ein Trainingscamp bei Rafah getötet, wie Samhadanas Gruppierung Komitees des Volkswiderstands im Gazastreifen mitteilte. Der 45-jährige Samhadana war von Israel wegen Angriffen auf jüdische Siedler vor dem Abzug der Armee aus dem Gazastreifen gesucht worden.
Außerdem wurde ihm vorgeworfen, in einen Anschlag auf einen US-Diplomatenkonvoi verwickelt gewesen zu sein, bei dem drei Menschen starben. Der von der Hamas-Regierung zum Chef der Sicherheitskräfte des palästinensischen Innenministeriums ernannte Samhadana war bereits zwei versuchten gezielten Tötungen der Armee entgangen. Am Freitag tötete die israelische Luftwaffe bei einem erneuten gezielten Angriff im Gazastreifen nach eigenen Angaben drei weitere Komitees-Mitglieder.
Bei der Beerdigung Samhadanas in Rafah kündigten schworen tausende Palästinenser Rache. "Abu Ataja (Kampfname Samhadanas) ist der Sarkawi Palästinas", rief ein Vertreter der Komitees der Menge zu. Regierungssprecher Ghasi Hamad sagte, Israel trage die Verantwortung für dieses "Verbrechen". Die israelische Regierung hatte nach Samhadanas Berufung in die Regierung angekündigt, dessen Immunität nicht zu achten und ihn weiter zu suchen. AFP
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