Jahrestag der antichinesischen Unruhen: Scharfe Sicherheitsvorkehrungen in Tibet
zuletzt aktualisiert: 14.03.2009 - 14:50Chengdu/China (RPO). Zum Jahrestag der massiven antichinesischen Proteste in Tibet hat starke chinesische Polizeipräsenz am Samstag für eine gespannte Atmosphäre gesorgt. Augenzeugen berichteten aus der tibetischen Hauptstadt Lhasa, dass vor allem um den Jokhang-Tempel bewaffnete Polizisten patrouillierten. Ein Tourist aus Hongkong sagte, über der Stadt kreisten zwei Militärhubschrauber.
Im vergangenen Jahr war der Jahrestag des Tibet-Aufstands vom 10. März 1959 Anlass für Proteste gegen die chinesische Herrschaft. Ab dem 14. März kam es schließlich zu wochenlangen Unruhen, die von Tibet auf benachbarte Provinzen übergriffen. Dabei kamen nach offiziellen Angaben 22 Menschen ums Leben. Nach Schätzungen von Exiltibetern war die Zahl der Toten jedoch zehn Mal so hoch.
Auch aus benachbarten chinesischen Regionen berichteten Einwohner am Samstag von Sicherheitsvorkehrungen ähnlich wie in Lhasa. In der Provinzhauptstadt Chengdu sperrte die Polizei die Zufahrt ins tibetische Umland.
China beansprucht Tibet als Teil des eigenen Territoriums. 1951 marschierten chinesische Truppen in dem Hochland ein. Danach kam es immer wieder zu Spannungen, die im Aufstand von 1959 gipfelten. Bei der gewaltsamen Niederwerfung wurde am 17. März die Sommerresidenz des Dalai Lama beschossen, der daraufhin über den Himalaya nach Indien floh.
Demonstration gegen chinesische Tibet-Politik in Taiwan
In der taiwanischen Hauptstadt Taipeh protestierten am Samstag hunderte Menschen gegen die chinesische Herrschaft in Tibet. Die Demonstranten führten ein riesiges Porträt des Dalai Lama mit sich. Sie riefen unter anderem "Befreit Tibet" oder "Unabhängigkeit für Tibet". Viele Demonstranten äußerten die Befürchtung, ihrem Land könnte das gleiche Schicksal wie Tibet drohen.
Taiwan und China sind seit dem Bürgerkrieg von 1949 getrennt. Die Regierung in Peking betrachtet die Insel aber weiter als Teil Chinas. In der Vergangenheit hieß es, das Ziel einer Vereinigung werde notfalls auch mit Gewalt erreicht werden. Die Beziehungen haben sich aber deutlich verbessert, seit in Taiwan im Mai vergangenen Jahres Präsident Ma Ying-jeou an die Macht kam.
Die Polizei in Nepal nahm am Samstag einen Norweger und eine Britin fest, die vor einem Gebäude der chinesischen Botschaft in Kathmandu gegen die Tibet-Politik Pekings protestierten.
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