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Verstimmungen zwischen Schweden und Israel: Scharon springt "Kunst-Attentäter" bei

zuletzt aktualisiert: 18.01.2004 - 15:49

Stockholm (rpo). Israels Premier Ariel Scharon hat die Zerstörung eines Kunstwerks in einem Stockholmer Museum durch den israelischen Botschafter gebilligt. Die Installation zeigte das Bild einer palästinensischen Selbstmordattentäterin. Der Vorfall droht die Beziehungen zwischen Israel und Schweden ernsthaft zu belasten.

Israels Regierungschef Ariel Scharon stellte sich am Sonntag hinter den Diplomaten Svi Masel, der eine Installation mit dem Bild einer palästinensischen Selbstmordattentäterin schwer beschädigt hatte. "Ich habe Botschafter Zvi Mazel angerufen und ihm für seine Stärke gedankt", sagte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon am Sonntag. "Die ganze Regierung steht hinter ihm."

Das schwedische Außenamt bezeichnete Masels Verhalten als "inakzeptabel". Museumsdirektor Kristian Berg wies die Forderung Israels nach der Verbannung des umstrittenen Werks, das zum "Hass" aufstachele, zurück.

"Schneeweiß und der Wahnsinn der Wahrheit"

Masel habe in einem Wutanfall im Hof des Historischen Museums das Kunstwerk demoliert, sagte Berg der Nachrichtenagentur TT am Samstag. Die Installation "Schneeweiß und der Wahnsinn der Wahrheit" besteht aus einem mit blutrotem Wasser gefüllten Bassin und einem darauf schwimmenden Modellsegelboot, mit einem Foto der lächelnden Hanadi Dscharadat als Segel. Die Palästinenserin hatte im vergangenen Oktober in Haifa 21 Israelis mit in den Tod gerissen. Videoaufnahmen vom Freitag zeigen Masel, wie er einen der Strahler, mit dem die Installation beleuchtet wird, herunterreißt und in das Becken wirft. Dadurch sei ein "lebensgefährlicher Kurzschluss" ausgelöst worden, sagte Berg. Er verwies den Diplomaten nach dem Vorfall des Museums.

Masel bezeichnete das Kunstwerk als "obszöne Falschdarstellung der Wirklichkeit". Als israelischer Botschafter habe er eine solche Beleidigung der "Opferfamilien" nicht tatenlos hinnehmen können, sagte er TT. Scharon dankte seinem Botschafter in einem Telefongespräch für seine Aktion, wie das Büro des Regierungschefs mitteilte. In der ganzen Welt greife der Antisemitismus um sich, besonders in Europa nehme er gefährliche Ausmaße an. Masel habe sich "exakt" so verhalten, wie es angebracht gewesen sei. Das Außenministerium in Stockholm kündigte an, den Botschafter für Montag wegen des Vorfalls einzubestellen.

Kunstwerk eine Einladung zum Nachdenken

Der Museumsdirektor betonte, das inzwischen wieder reparierte Kunstwerk der Schwedin Gunilla Skoeld Feiler und ihres in Israel geborenen Mannes Dror Feiler sei keine Provokation. Vielmehr handele es sich um eine "Einladung" zum Nachdenken über den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis. Er kündigte am Sonntag an, er werde Masel zu einer Diskussion "über das Kunstwerk, sein Verhalten, die Kunst und die Meinungsfreiheit" einladen.

Die Installation ist Teil einer Ausstellung, die den Rahmen für eine internationale Konferenz über Strategien zur Vermeidung von Völkermord bildet. Presseberichten zufolge drohten die israelischen Teilnehmer nach dem Vorfall mit einem Boykott des Ende Januar beginnenden "Stockholm International Forum - Preventing Genocide".


 
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