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Lage im Irak: Schlimmer als im Bürgerkrieg, schlechter als unter Saddam

zuletzt aktualisiert: 04.12.2006 - 09:09

London (RPO). Die Lage im Irak ist schlimmer als in einem Bürgerkrieg, und den Menschen geht es schlechter als unter Saddam Hussein. Das ist die Analyse von UN-Generalsekretär Kofi Annan. Die Situation sei äußerst gefährlich.

"Als wir vor einigen Jahren die Kämpfe im Libanon und anderswo hatten, nannten wir das einen Bürgerkrieg. Dies hier ist viel schlimmer", sagte Annan in einem am Montag ausgestrahlten Interview der BBC.

Die Situation sei extrem gefährlich, sagte der scheidende UN-Chef. Die internationale Gemeinschaft müsse dem Irak beim Wiederaufbau helfen, forderte Annan. Er sei sich nicht sicher, dass der Irak dies aus eigener Kraft schaffen könne.

Annan stimmte der Einschätzung zu, dass das Leben für normale Iraker inzwischen schlimmer sei als zu Zeiten Saddam Husseins. Damals habe ein brutaler Diktator geherrscht, doch hätten sich die Leute auf die Straße getraut. Die irakische Regierung sei bislang nicht in der Lage, die Gewalt unter Kontrolle zu bringen. Ohne Sicherheit aber könne es keinen Wiederaufbau geben.

Auch am Montag wurden wieder Selbstmordanschläge und Angriffe im Irak verübt, denen mindestens sechs Menschen zum Opfer fielen. Die führenden Vertreter der USA im Irak verurteilten die Gewalt in einer gemeinsamen Erklärung. Wer solche Anschläge verübe, sei ein wahrer Feind des Iraks, betonten US-Botschafter Zalmay Khalilzad und General George W. Casey. Sie riefen die Iraker auf, sich nicht von jenen instrumentalisieren zu lassen, "die euch und euer Land zerstören wollen".

Zu Gesprächen über die Lage im Irak wurde am Montagabend der einflussreiche schiitische Politiker Abdul Asis al Hakim bei US-Präsident George W. Bush in Washington erwartet. Al Hakim, der bis zum Sturz Saddam Husseins in iranischem Exil lebte, ist der Führer der größten schiitischen Partei, dem Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI).

Bush plant unterdessen nach den Worten seines Sicherheitsberaters Stephen Hadley ein verändertes Vorgehen im Irak, aber keinen raschen Truppenabzug. Bush wisse, dass im Irak ein erfolgreicherer Weg eingeschlagen werden müsse, sagte Hadley am Sonntag in Fernsehinterviews. Die US-Streitkräfte meldeten übers Wochenende den Tod von zehn Soldaten.

Hadley bemühte sich, die Bedeutung einer bekannt gewordenen Aktennotiz des scheidenden US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld herunterzuspielen. "Ganz eindeutig funktioniert das nicht gut genug, was die US-Truppen im Irak machen", schrieb Rumsfeld einen Tag vor der Kongresswahl Anfang November laut "New York Times". Hadley sagte, diese Einschätzung habe Bush selbst öffentlich vertreten.

US-Hubschrauber abgestürzt

Beim Absturz eines US-Militärhubschraubers mit 16 Personen an Bord kam westlich von Bagdad ein Marineinfanterist ums Leben, wie die US-Streitkräfte am Montag mitteilten. Drei weitere Insassen würden noch vermisst. Es gebe keine Anzeichen, dass der Absturz vom Sonntag von einem feindlichen Angriff verursacht worden sei.

Der türkische Botschafter Özcan Sahin wurde am Wochenende im Garten seiner Botschaft in Bagdad angeschossen. Wie das Außenministerium in Ankara am Montag mitteilte wurde Sahin in die Türkei gebracht und dort operiert. Über die Hintergründe der Tat war nichts bekannt. Berichte über einen Angriff auf die von hohen Mauern umgebene Botschaft lagen nicht vor.

Quelle: ap

 
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