Vogel nennt inländische Kritik "peinlich": Schröder: "Ein Sieg für Deutschland"
zuletzt aktualisiert: 05.06.2004 - 14:28Berlin (rpo). Ungeachtet der Auseinandersetzungen in Deutschland um das Besuchsprogramm werten Politiker im In- und Ausland die erstmalige Teilnahme eines Bundeskanzlers am Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie als Symbol für die Verständigung der Demokratien.
"Es ist eine große Ehre für unser Land und für unsere Demokratie", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des D-Day am Sonntag. Großbritanniens Außenminister Straw wertete Schröders Teilnahme als "Symbol für den weiten Weg, den Europa zurückgelegt hat."
Der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel wies Kritik der Opposition an Schröders Besuchsprogramm zurück. Die Vorwürfe, der Kanzler würde den deutschen Soldaten nicht ausreichend gedenken, seien "ausgesprochen peinlich", sagte Vogel. Die Opposition hatte bemängelt, dass Schröder in der Normandie keinen deutschen Soldatenfriedhof besucht, sondern lediglich einen Friedhof, auf dem neben anderen Soldaten auch deutsche Soldaten beerdigt sind.
Schröder sagte, die Deutschen könnten dieses Datums "erhobenen Hauptes" gedenken. Der Sieg der Alliierten sei "kein Sieg über Deutschland, sondern ein Sieg für Deutschland" gewesen. Niemand verlange von den Deutschen, dass sie sich "schuldig fühlen für die Verbrechen und den Völkermord eines unsäglichen Regimes". "Aber wir tragen Verantwortung vor unserer Geschichte und für unsere Geschichte", mahnte der Kanzler.
"Ein europäischer Krieg ist unmöglich geworden"
Schröder wies darauf hin, dass für die jungen Menschen die europäische Einigung eine Selbstverständlichkeit sei: "Sie leben in dem guten Bewusstsein, dass die Aussöhnung auf unserem Kontinent unumkehrbar, dass ein Krieg der europäischen Völker gegeneinander unmöglich geworden ist", sagte er.
Der britische Botschafter in Deutschland, Sir Peter Torry, sagte, Schröder komme nicht als Vertreter einer besiegten Macht, sondern als wichtiger Partner der Demokratie in Europa.
Großbritanniens Außenminister Straw erinnerte daran, dass vor 60 Jahren die Väter und Großväter noch im Krieg waren und Städte und Häuser bombardiert und zerstört wurden. "Jetzt haben wir Krieg auf unserem Kontinent endgültig hinter uns gelassen", fasste Straw zusammen. Die Europäische Union und die Nato hätten "aus Feinden gute Freunde und Partner gemacht".
Straw sagte weiter, dieser Jahrestag erinnere auch daran, wie viel Europa den Vereinigten Staaten zu verdanken habe. Am D-Day und danach seien Millionen von GIs gekommen, um Europa zu befreien. Amerika habe "großzügig geholfen, Europa wieder aufzubauen und während des Kalten Krieges zu schützen". Zwar seien demokratische Staaten nicht immer einer Meinung, aber angesichts des globalen Terrorismus und der globalen Armut sei es wichtiger denn je, weiter mit den USA zusammenarbeiten. "Und zwar als Partner, nicht als Rivalen", betonte Straw.
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