Nach Volksentscheid in der Schweiz: Schröder verteidigt Minarette
zuletzt aktualisiert: 09.12.2009 - 15:04Hamburg (RPO). Das Schweizer "Minarett-Verbot" zieht weiter Kreise: Altkanzler Gerhard Schröder hat dem Schweizer Volk indirekt Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen. Wer Minarette verbiete, der wolle, dass Muslime ihre Religion in Hinterhäusern ausüben müssten. "Dieses Verdrängen an den sprichwörtlichen Rand der Gesellschaft ist der Versuch einer Ausgrenzung", kritisierte der SPD-Politiker in einem Interview.
Auch in Deutschland sei die negative Sicht auf Muslime verbreitet. Aber der Islam sei "eine friedliche Religion. Das lehrt der Koran", sagte Schröder gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit". Gerade die Deutschen hätten keinen Grund zu Überheblichkeit: Die Weltkriege seien nicht von islamischen Staaten verbrochen worden.
Dass in vielen islamischen Staaten Christen verfolgt und Kirchen verboten würden, rechtfertige keine Einschränkung der Religionsfreiheit im eigenen Land. "Aufklärung heißt nicht, Unzulänglichkeiten anderer Gesellschaften bei uns zu wiederholen", sagte Schröder. Bei einer Volksabstimmung hatten 57,5 Prozent der Eidgenossen ein Bauverbot für Minarette beschlossen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum