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Schwerpunkt G-8-Gipfel: Schwarzer Kontinent am Geldtropf

VON WOLFGANG DRECHSLER - zuletzt aktualisiert: 30.05.2007 - 13:57

Kapstadt (RP). Vor dem Treffen in Heiligendamm rückt Afrika in Deutschland plötzlich in den Mittelpunkt. Von einem Tag auf den anderen wollen Wirtschaftsexperten und Politiker entdeckt haben, dass sich der Kontinent im Aufschwung befindet. Tatsächlich aber bleibt die Situation bedrückend.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ermutigt Deutschlands Wirtschaftsführer ausdrücklich zu einem stärkeren Engagement im Afrika südlich der Sahara. Woher der plötzliche Afro-Optimismus rührt, ist unklar. Denn auch 50 Jahre nach Beginn der Entkolonialisierung ist in Afrika keine wirkliche Wende zum Besseren in Sicht. Vor dem Hintergrund einer Bevölkerungszunahme von drei Prozent reichen die jüngst im OECD-Report vermeldeten Wachstumsraten von durchschnittlich fünf Prozent jedenfalls nicht aus, um die tiefe Armut zu reduzieren. Der Zuwachs dürfte schon deshalb ohne größeren Effekt bleiben, weil Afrika seinen gegenwärtigen Aufschwung fast ausschließlich dem weltweiten Rohstoffboom verdankt. Neue Strukturen sind überfällig.

Dabei hatte vor fünf Jahrzehnten alles so hoffnungsvoll begonnen. Als Ghana im März 1957 unabhängig wurde, war sein Pro-Kopf-Einkommen genauso so hoch wie das von Südkorea und Taiwan. Doch schon frühzeitig steuerte Staatschef Kwane Nkrumah sein Land in den Ruin, indem er es zunächst kompromisslos ins sozialistische Lager führte und dann auch noch den Einparteienstaat ausrief. Obwohl Nkrumah heute in Afrika fast überall tief verehrt wird, kann der ghanaische Gründervater durchaus als Prototyp für so viele andere afrikanische Staatschefs nach ihm gelten: Binnen weniger Jahre wurde der Hoffnungsträger zum selbstherrlichen Despoten, dem am Ende weniger am Wohl des eigenen Volkes als immer aberwitzigeren Prestigeprojekten lag, mit denen er sich ein Denkmal setzen wollte.

Heute steht der Werdegang des ersten unabhängigen Landes in Afrika für die Entwicklungsmisere eines ganzen Kontinents: Nkrumah wurde nach kaum zehn Jahren von der Macht geputscht und starb wenig später im rumänischen Exil. In Ghana selbst folgte auf seine Absetzung eine lange Phase der politischen Instabilität und wirtschaftlichen Stagnation. Bezeichnend dafür ist, dass Südkorea den westafrikanischen Staat heute, exakt ein halbes Jahrhundert später, um das fast 40-fache an Wirtschaftskraft überflügelt.

Symptomatisch ist aber auch, dass Ghana auch 50 Jahre nach seiner Unabhängigkeit noch immer vom Export von nur zwei Rohstoffen abhängt. Statt seine Ressourcen wie Malaysia oder Taiwan im eigenen Land zu verarbeiten und eine eigene Industrie aufzubauen, exportiert es allein Kakao und Gold. Trotz dieser deprimierenden Bilanz wird das Land mit Hilfsgeldern geradezu überhäuft. Fast hat es den Anschein, als wollten die Geberländer in Ghana den Beweis erzwingen, dass die in den letzten Jahrzehnten gezahlte Entwicklungshilfe doch einen Nutzen hatte.

Hinzu kommt, dass der Westen nach dem Absturz von Simbabwe und der Elfenbeinküste dringend einen neuen Vorzeigestaat in Afrika braucht. Kein Wunder, dass Ghana neuerdings zum Entwicklungsmodell hochgejubelt wird. Dabei wurde noch 2006 rund 40 Prozent seines Haushalts von westlichen Geberländern finanziert.

Das Beharren auf immer neuen und höheren staatlichen Geldtransfers hat dafür gesorgt, dass Afrika im Westen heute fast nur noch als unheilbar kranker Kontinent wahrgenommen wird. Dabei geht es schon lange nicht mehr um Geld, sondern um dessen sinnvolle Verwendung - und vor allem darum, seine korrupten Machthaber abzuhalten, ihre Länder weiter so unverfroren zu plündern. Zu viele Führer Afrikas haben sich daran gewöhnt, dass es automatisch Hilfe gibt, meint der ugandische Journalist Andrew Mwenda, der Afrikas Misere hausgemacht nennt.

Zudem übersehen die Rettungskampagnen oft, dass gigantische Summen an Privatkapital um den Globus zirkulieren, von denen bislang jedoch weniger als ein Prozent den Weg nach Schwarzafrika fanden. Gibt es einen größeren Misstrauensbeweis?

Quelle: RP

 
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