Volksentscheid: Schweizer stimmen über Minarette ab
VON JAN DIRK HERBERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.11.2009 - 07:53Genf (RP). Eine Gruppe rechtsgerichteter Eidgenossen will den Bau von Minaretten in der Schweiz per Verfassungsänderung verbieten lassen. Die größte Partei des Landes, die erzkonservative Schweizerische Volkspartei (SVP), hat sich auf die Seite der Initiatoren geschlagen.
Seit Wochen beherrscht der angestrebte Bann die politische Debatte des Landes, führen die sonst so gemächlichen Bewohner mit Inbrunst einen Diskurs über Religion und Rassismus, über Toleranz und Terrorismus. Am kommenden Sonntag nun werden die Bürger über den Baustopp entscheiden.
Noch nie stimmten in einem Land die Menschen über eine vergleichbare Frage wie das Minarettverbot ab. Doch in Wirklichkeit ist es mehr: Es ist ein Plebiszit über den Islam. "Wir Schweizer leben zwar in der Mitte Europas, wir sind aber noch immer ein Sonderfall", analysiert der Soziologe Jean Ziegler.
Stichwort Minarett:
Auszug aus Wikipedia: Ein Minarett ist ein erhöhter Standplatz oder Turm für den Gebetsrufer bei oder an einer Moschee. Von hier aus werden die Muslime fünfmal am Tag zum Gebet gerufen.
"Die Angst vor radikalen Fanatikern"
"Dass rund 115.000 Schweizer mit ihrer Unterschrift die Abstimmung erzwungen haben, ist ein Zeichen der helvetischen Pathologie." Mit besorgter Miene fragt Ziegler: "Wie kann eine so intolerante Initiative nur so erfolgreich sein?" Die Antwort: Die Gegner der Minarette setzen auf die Angst. Die Angst vor dem Islam – und die Angst vor radikalen Fanatikern.
Das Minarett symbolisiere den "Machtanspruch" des Islam über die Schweiz, sagen die Wortführer der Initiative. Einer von ihnen ist der SVP-Abgeordnete Walter Wobmann: "Die Befürchtung ist groß, dass den Minaretten bald der Gebetsrufer, der Muezzin, folgen wird", warnt er seine Zuhörer.