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Seif al-Islam Gaddafi Panorama
  Foto: Libyan State Television, AP
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Welche Rolle spielt Gaddafis Sohn in Libyen?: Seif al-Islam winkt mit Zuckerbrot und Peitsche

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 21.02.2011 - 19:23

Tripolis (RPO). Die Unruhen in Libyen nehmen immer größere Ausmaße an. Häuser und öffentliche Gebäude brennen, Tausende sind in der Hauptstadt Tripolis auf den Straßen. Die Lage eskaliert derart, dass Seif al-Islam, Sohn von Machthaber Muammar el-Gaddafi, bei einem TV-Auftritt Reformen verspricht. Der Mann, der als möglicher Nachfolger Gaddafis gilt.

Er ist der zweitälteste Sohn Gaddafis und spricht fließend Englisch. Er hat Wirtschaft in London und Architektur in Wien studiert. Seim al-Islam, 38 Jahre alt und von seinen Landsleuten "der Ingenieur" genannt, hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Rolle des Vermittlers zwischen Libyen und dem Ausland eingenommen.

Nun aber erhebt er im Inland die Stimme. In einer Ansprache im staatlichen Fernsehen erklärte er, die Regierung sei zu Diskussionen über Gesetzesänderungen bereit. Das Zugeständnis kombinierte er mit martialischen Drohungen, bei denen er vor der Kamera fahrig mit dem Zeigefinger herumwedelt: "Wir sind nicht Tunesien und Ägypten", sagte er mit Blick auf die dortigen Volksaufstände. "Muammar Gaddafi, unser Führer, führt den Kampf in Tripolis, und wir sind an seiner Seite. Wir werden bis zum letzten Mann, bis zur letzten Frau, bis zur letzten Kugel kämpfen." Seif al-Islam versucht sich mit einer Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche.

Präsident der Gaddafi-Stiftung

Ohne Abstriche stellt sich der 38-Jährige hinter seinen Vater, den Machthaber Muammar el-Gaddafi. Und dieser lässt die Proteste in seinem Land gewaltsam vom Militär unterdrücken. Eigentlich steht das genau im Gegensatz zu dem, was der Sohn bisher öffentlich propagierte.

Wie das Hamburger Giga-Institut in einem Aufsatz schreibt, sprach sich der 38-Jährige in seiner Funktion als Präsident der nicht-staatlichen Gaddafi-Stiftung in Interviews gegen Gewalt als Mittel der Politik aus, engagierte sich für die Einhaltung von Menschenrechten und für eine starke private Presse. Also genau die Dinge, an die sich sein Vater nicht hält, wie das Beispiel Medien zeigt. Die Presse wird stark zensiert, ausländische Journalisten dürfen derzeit nicht ins Land, Landsleute stellen Bilder von den Straßenkämpfen ins Internet.

Nun also nimmt Seif al-Islam, dessen Name "Schwert des Islam" bedeutet, auch im Inland die Rolle des Vermittlers ein, was aber auch zeigt, dass für den Machthaber el-Gaddafi tatsächlich nicht alles so gut läuft, wie er es gern hätte. Sein Sohn aber wird laut Giga-Institut in mehreren Presseberichten als potenzieller Nachfolger Gaddafis gehandelt. Und das erklärt wiederum, warum es der Zweitälteste ist, der sich vor die Kameras stellt.

Vermittler in internationalen Konflikten

Es ist also wieder mal eine schwierige Situation, die der Sohn für den Vater klären muss. So, wie er es schon öfter getan hat im Rahmen der Gaddafi-Stiftung. Das Giga-Institut schreibt, er habe mittels der Stiftung sensible außenpolitische Konflikte entschärft, "ohne dass der libysche Staat dafür direkt Verantwortung zu übernehmen brauchte". Dazu zählte unter anderem der Konflikt um den Attentäter von Lockerbie, bei dessen Lösung er eine entscheidende Rolle spielte.

Seif al-Islam wird den Reformern zugeordnet, die die libysche Wirtschaft dem Ausland öffnen wollen. Die "New York Times" beschrieb ihn einmal als "das pro-westliche Gesicht Libyens und Symbol der Hoffnungen auf Reformen und Offenheit". Nun zeigt sich dieses Gesicht also auch ganz offiziell seinen Landsleuten.

Ob den Demonstranten aber die pure Andeutung von Reformen genügen wird, um die Straßen zu räumen, mag bezweifelt werden. Denn die Menschen haben gehört oder gesehen, was in Tunesien und Ägypten passiert ist. Sie sind wütend über die Gewalt, die ihnen nun in ihrem eigenen Land zu teil wird. Ein paar Reformen werden da wohl kaum das Gehör finden, dass sich der Machthaber el-Gaddafi wünscht. Die Fernsehansprache des Diktators in spe wirkt unter diesen Umständen so, als versuche da einer verzweifelt, an der Macht zu bleiben.


 
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