Afghanistan: Bundeswehr im Visier: Selbstmord-Attentäter töten zwei Soldaten
zuletzt aktualisiert: 28.05.2011 - 22:36Berlin/Kundus (RPO). Bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Afghanistan sind zwei Bundeswehrsoldaten getötet und fünf weitere verletzt worden. Unter den Verletzten ist Generalmajor Markus Kneip. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich schockiert: Der "terroristische Anschlag" zeige "eine mörderische Menschenverachtung".
Bei einem Selbstmordanschlag in einem Regierungsgebäude im nordafghanischen Talokan sind am Samstag zwei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Vier Soldaten seien leicht und ein weiterer schwer verletzt worden, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr am Samstagabend mit. Zuvor hatte die Bundeswehr von drei verletzten deutschen Soldaten gesprochen. Unter den Verletzten ist der Kommandeur des Regionalkommandos Nord der Nato-Truppe Isaf, Markus Kneip.
Die Verwundeten seien zunächst mit Hubschraubern zur weiteren medizinischen Versorgung in das Rettungszentrum des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus ausgeflogen worden, erklärte die Bundeswehr. Vier Soldaten seien in das Einsatzlazarett Masar-i Scharif verlegt worden, einer sei zu seiner Einheit zurückgekehrt.
Bei dem Anschlag seien noch weitere Menschen getötet und verletzt worden, die Zahlen seien aber bisher noch nicht bekannt, erklärte die Bundeswehr. Laut afghanischem Innenministerium liegt die Zahl der Verletzten bei mindestens zwölf.
Nach Angaben örtlicher Behördenvertreter kamen bei dem Anschlag sieben Menschen ums Leben, darunter der Polizeichef für Nordafghanistan, General Mohammed Daud Daud, und der Polizeichef der Provinz Tachar. Neun Menschen seien verletzt worden, darunter Provinzgouverneur Abdul Dschabar Takwa. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban.
"Mörderische Menschenverachtung"
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "schockiert und traurig". Dieser "terroristische Anschlag" zeige "eine mörderische Menschenverachtung", erklärte sie. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, er sei "bestürzt über diesen barbarischen Terrorakt".
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU bezeichnete die Attentäter als "kriminelle Mörder und politische Verbrecher am Friedens- und Entwicklungsprozess in Afghanistan". Er bitte die deutsche Öffentlichkeit, "gerade jetzt" den Einsatz in Afghanistan zu unterstützen, "vor allem unsere deutschen Soldaten".
Der Leiter des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz, sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit de Maizière, General Kneip sei leicht verletzt und in stabilem Zustand. Er müsse "nach jetzigem Stand nicht nach Deutschland ausgeflogen werden". Angaben über die Zahl weiterer Toter und Verletzter konnte Glatz ebenso wenig machen wie zum Zustand der beiden weiteren verletzten Bundeswehrsoldaten. Kneip ist seit fünf Jahren Kommandeur des Regionalkommandos Nord der Isaf mit Sitz in Kundus.
Mehrere Attentäter
Der Anschlag ereignete sich nach Angaben von Glatz um 14.10 Uhr MESZ (16.40 Uhr Ortszeit) im Gouverneurspalast in Talokan, der Hauptstadt der Provinz Tachar. "Nach allem, was wir jetzt wissen, müssen wir davon ausgehen, dass es ein Angriff mehrerer Selbstmordattentäter gewesen ist", sagte Glatz. Zum Zeitpunkt des Anschlags habe sich eine hochrangige deutsch-afghanische Delegation in dem Gebäude befunden.
"Zum Ende des Treffens, als wir gehen wollten, wartete ein Selbstmordattentäter auf dem Flur und sprengte sich in die Luft", sagte ein Augenzeuge. Offenbar war es Attentätern gelungen, in einer Polizeiuniform auf das Treffen zu gelangen.
Die deutschen Soldaten seien im Gouverneursgebäude gewesen, um über die Sicherheit in der Region zu sprechen, sagte de Maizière. "Gerade nach den Demonstrationen der letzten Tage sollte neues Vertrauen gestiftet werden", sagte er mit Blick auf Proteste gegen die Nato-Truppen in Talokan Mitte Mai. "Den Weg der Partnerschaft wollen solche Attentäter zerstören." Das werde aber nicht gelingen.
Über 30 Soldaten gefallen
Mit den neuen Opfern stieg die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die seit Beginn der deutschen Beteiligung am Isaf-Einsatz im Januar 2002 bei Gefechten und Anschlägen in Afghanistan starben, auf 33. Erst am Mittwoch war bei einem Sprengstoffanschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille in Nordafghanistan ein deutscher Soldat getötet worden.
In Talokan hatte es Mitte Mai gewaltsame Demonstrationen gegen die Nato-Truppen gegeben. Dabei war auch ein Bundeswehrlager angegriffen worden. Deutsche Soldaten schossen nach Bundeswehrangaben gezielt auf gewalttätige Demonstranten, die sich durch vorher abgegebene Warnschüsse nicht vertreiben ließen. In Talokan unterhält die Bundeswehr eine Außenstelle, in der rund 40 deutsche Soldaten stationiert sind.
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