Gouverneur tritt zurück: Sex-Skandal bringt Spitzer zu Fall
zuletzt aktualisiert: 12.03.2008 - 19:50Albany (RPO). Wegen der Verwicklung in einen Sexskandal ist der New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer zurückgetreten. Spitzer werde sein Amt am Montag zur Verfügung stellen. Der 48-Jährige hatte sich am Montag nach einem Zeitungsbericht über Kontakte zu einem Prostituiertenring öffentlich entschuldigt.
Der Fall des New Yorker Gouverneurs Eliot Spitzer hat alles, was eine deftige Skandalgeschichte ausmacht. Es geht um hohe Ansprüche und abgründige Doppelmoral, um einen tiefen Fall nach steilem Aufstieg - und um die persönliche Tragödie eines Mannes, der sich offenbar von den schattigen Verlockungen der Halbwelt angezogen fühlte, sobald das Licht der Öffentlichkeit ausgeknipst war. Keine 48 Stunden konnte sich Spitzer im Amt halten, nachdem die ungeheuerlichen Vorwürfe an die Öffentlichkeit gelangten. Die Zutaten der Skandalgeschichte: Luxus-Callgirls, heimlich arrangierte Schäferstündchen im Hotel, Liebesdienste gegen Bares. In der Politik ist diese Mischung hochgiftig, Spitzer erklärte am Mittwoch seinen Rücktritt.
Wer sich auf moralische Höhen schwingt, kann umso tiefer stürzen, das illustriert Spitzers Fall. Als knallharter Finanzermittler hatte der "Sheriff von der Wall Street" die mächtigen Investmentbanken und Fondsgesellschaften das Fürchten gelehrt, nun ist der Jäger selber in die Falle getappt. Das FBI erwischte Spitzer bei Telefonkontakten mit einem illegalen Prostituiertenring. Spitzer bestellte sich Liebesdienste auf sein Hotelzimmer, möglicherweise war er Stammkunde des illegalen Betriebs.
Es war eine Bloßstellung, die Spitzer nur noch den Weg zum kleinlauten Rückzug offen ließ. "Während meiner Karriere im Staatsdienst habe ich immer darauf bestanden, dass Menschen ungeachtet ihrer Stellung für ihr Handeln Verantwortung tragen", sagte Spitzer am Mittwoch. "Nichts weniger erwarte ich auch von mir selbst." Begleitet wurde Spitzer bei der Pressekonferenz von seiner Frau Silda. Mit ihrer versteinerten Mine kommentierte die Juristin wortlos, wie schwer ihr diese Geste der Loyalität gefallen sein dürfte.
Noch am Montag, als erste Berichte über Spitzers Verbindung zu einem Prostituiertenring kursierten, hatte er die Affäre als "private Angelegenheit" bezeichnet. Doch weder seine politischen Gegner noch die Medien wollten sich dieser Einschätzung anschließen. Ihr Tenor: Wenn Politiker wie Spitzer die moralischen Leitfunktion der Regierenden zum Teil ihres Programms machen, dann verlieren sie bei Fehlverhalten ihre Glaubwürdigkeit. In New Yorks Landeshauptstadt Albany bereiteten die Republikaner bereits ein Verfahren zur Amtsenthebung vor.
Es scheint, als habe Spitzer seine moralischen Standards gelegentlich aufgegeben. Mitte Februar soll er eine Angestellte des New Yorker Prostituiertenrings "Emperor's Club" auf sein Hotelzimmer in Washington bestellt haben. Spitzer soll mehr als 4000 Dollar für das Treffen bezahlt haben, Berichten zufolge könnte er in den vergangenen zehn Jahren an die 80.000 Dollar an den Club gezahlt haben. Prostitution ist in den USA illegal.
Spitzers Aufstieg zu nationaler Berühmtheit begann vor sechs Jahren, als er Pfuschereien in den Analyse-Abteilungen von Investmentbanken ans Licht brachte. Auch Fondsgesellschaften und Versicherern wies der damalige Generalstaatsanwalt illegale Praktiken nach. Insgesamt hat er der Finanzbranche mehrere Milliarden Dollar an Strafzahlungen abgeknöpft, aus denen Entschädigungen an die betrogenen Anleger flossen. Seine Ermittlungen zwangen mehrere Wall-Street-Größen zum Rücktritt, der Skandal erschütterte New Yorks Finanzelite. An der Wall Street wurde Spitzers Bloßstellung am Montag mit Schadenfreude und Häme kommentiert.
Spitzer münzte seinen Ruf als Kämpfer für Kleinanleger gegen betrügerische Wirtschaftsbosse in politisches Kapital um und ließ sich Ende 2006 zum Gouverneur des Bundesstaats New York wählen. Er erhielt fast 70 Prozent der Stimmen - ein neuer Rekord, der ihn zur Nachwuchshoffnung der US-Demokraten werden ließ. Damals schien dem Sohn eines reichen Immobilienhändlers jüdisch-österreichischer Abstammung der Weg weit nach oben offenzustehen.
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