Chaos vor Moschee in Gaza: "Sie haben den Helden getötet"
zuletzt aktualisiert: 22.03.2004 - 11:20Gaza (rpo). Der Angriff im Morgengrauen kam überraschend. Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin verließ gerade mit zwei Leibwächtern eine Moschee. Bis zu seinem nahegelgenen Haus waren es nur wenige hundert Meter. Doch bis dahin sollte die Gruppe nicht mehr kommen.
Kurz nach dem Verlassen der Moschee in Gaza gegen 05.30 Uhr schlugen drei israelische Raketen in die Gruppe um Jassin ein. Mit Jassin wurden sieben Menschen getötet, darunter mehrere seiner Leibwächter. Innerhalb von Sekunden brach Chaos aus.
Hautfetzen und Splitter bedeckten die Straßen und die Wände der umliegenden Häuser. Im Sand breitete sich eine Blutlache aus. Vom Rollstuhl des gelähmten Geistlichen blieben nur ein verbrannter Sitz und ein verbogener Reifen. Einer von Jassins Schuhen lag auf der Erde. In der Luft lag der Geruch von Sprengstoff. Die Inschrift "Wir begrüßen den Märtyrertod mit einem Lächeln" auf der Tür der Moschee war mit Blut bedeckt.
"Ich hörte eine gewaltige Explosion, gefolgt von zwei weiteren", sagte der Taxifahrer Jusef Haddad. Er hatte Jassin zunächst begrüßt, bevor er in einen Laden gegangen war.
"Als ich herauskam, sah ich blutende Menschen. Und wir sahen die blutüberströmte Leiche des Scheichs, sein Rollstuhl war verbogen, zwei oder drei Leute lagen neben ihm auf dem Boden", sagte Haddad. "Einer hatte keine Beine mehr." Die Menschen seien aus der Moschee und den umliegenden Häusern gelaufen.
Feuerwehrautos, Krankenwagen und Anhänger der Hamas rasten zum Ort des Angriffs, während vier israelische Kampfhubschrauber in der Luft kreisten. Rettungshelfer versorgten die 17 Verletzten und brachten die Leichen weg. Einige Hamas-Aktivisten saßen auf dem Boden und weinten, andere schlugen mit ihren Fäusten gegen die Häuserwände. Wieder andere schossen mit Maschinengewehren in die Luft.
Einige Bewohner von Gaza rieben ihre Hände in dem Gemisch aus Kies und dem Blut Jassins, ein traditionelles Zeichen von großer Verärgerung und eine Vorbereitung auf Rache. Zehntausende Trauernde versammelten sich in den Straßen um Jassins Haus, schossen in die Luft und drohten mit Fäusten.
Aus den Lautsprechern einer Moschee dröhnte es: "Sie haben den Helden getötet, den Märtyrer, Scheich Ahmed Jassin."
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