"Symbol der Toleranz": Spanien führt Homo-Ehe ein
zuletzt aktualisiert: 30.06.2005 - 13:31Madrid (rpo). Spanien führt nach den Niederlanden und Belgien als weltweit drittes Land die gleichgeschlechtliche Ehe ein. Trotz heftiger Proteste der katholischen Kirche stimmten mit Ausnahme der konservativen Volkspartei alle Parteien am Donnerstag für die rechtliche Gleichstellung von hetero- und homosexuellen Ehen.
Mit einer Mehrheit von 187 der 350 Abgeordneten verabschiedete das Parlament in Madrid am Donnerstag in letzter Lesung ein von den regierenden Sozialisten eingebrachtes Gesetz, das Homosexuellen auch das uneingeschränkte Adoptionsrecht gewährt. Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero verteidigte das Gesetz vor der Abstimmung als Einlösung eines Wahlversprechens und als Ausdruck von Freiheit und Gleichheit. Teile der konservativen Volkspartei (PP) und der katholischen Kirche waren gegen das Gesetzesvorhaben Sturm gelaufen.
Die Sozialisten, die im Parlament über 164 Sitze verfügen, erhielten auch Stimmen der Opposition. 187 Abgeordnete stimmten für den Text, 147 dagegen und vier enthielten sich. Nach der Abstimmung spendeten Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene auf der Zuschauertribüne des Parlaments stehend Beifall. Das Gesetz soll bereits im Juli in Kraft treten. Die Stadtverwaltung von Barcelona kündigte an, die Zahl der Heiratstermine zu erhöhen, um den erwarteten Ansturm von heiratswilligen Homosexuellen bewältigen zu können.
Bislang ist die Homo-Ehe nur in den Niederlanden und Belgien erlaubt, wobei in Belgien kein Adoptionsrecht besteht. Das kanadische Parlament verabschiedete am Dienstag ein entsprechendes Gesetz. In anderen Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, können Homosexuelle ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen.
Zapatero sagte vor der Abstimmung, Spanien sei nicht das erste Land, das die Homo-Ehe einführe. "Aber wir werden auch nicht die letzten sein, viele andere Länder werden folgen, angestoßen von zwei unaufhaltsamen Kräften, der Freiheit und der Gleichheit." Die Homosexuellen seien zwar nur eine Minderheit, "aber ihr Triumph ist der Triumph aller, ihr Sieg macht uns alle zu besseren Menschen", rief der Regierungschef den Abgeordneten zu.
PP-Chef Mariano Rajoy sagte, das neue Gesetz werde die spanische Gesellschaft spalten. Die Volkspartei prüfe den Gang vor das Verfassungsgericht. Die PP befürwortet die Einführung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften ohne die Möglichkeit, Kinder zu adoptieren.
Die konservativen Kräfte der in Spanien fest verankerten katholischen Kirche und Teile der Volkspartei hatten bis zuletzt versucht, das Gesetz zu verhindern. Das spanische Forum für Familie (FEF) verkündete noch am Mittwochabend, es habe 600.000 Unterschriften gegen die Homo-Ehe gesammelt. Bei einer Demonstration am 18. Juni in Madrid verlangten hunderttausende Gegner der Homo-Ehe eine Volksabstimmung über die Angelegenheit. Die katholische Kirchenführung in Spanien hatte die gleichgeschlechtliche Ehe als "zivilisatorischen Rückschritt" bezeichnet und an das Gewissen der Kommunalbeamten appelliert. Unterstützung bekamen die Gegner vom Vatikan.
Das Gesetz ist Teil einer Reihe gesellschaftlicher Reformen, welche die sozialistische Regierung seit ihrem Antritt im Frühjahr 2004 auf den Weg brachte. Unter anderem setzten die Sozialisten ein Gesetz um, mit dem Frauen gegen Gewalt geschützt werden sollen. In der Nacht zum Donnerstag verabschiedeten die Parlamentarier zudem eine Reform des Scheidungsrechts, mit der Ehepaaren Trennungen erleichtert werden. So ist es künftig etwa nicht mehr nötig, Gründe wie Untreue oder Alkoholismus zu nennen.
Italiens Reformminister Roberto Calderoli kritisierte das Votum der spanischen Parlamentarier als "die letzte Handlung gegen Gott und die Natur". "Das kommt dabei heraus, wenn die Mehrheit der Bevölkerung die Linken wählt", sagte Calderoli, der der rechtsgerichteten Regierungspartei Liga Nord angehört.
Die spanische Sektion von Amnesty International (ai) begrüßte die Verabschiedung des Gesetzes, welches das "Prinzip der Gleichheit" anwende und eine der grundlegendsten Menschenrechtsfragen betreffe.
In Berlin erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, Spanien zeige in die richtige Richtung. Durch die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft in Deutschland sei auch hierzulande der "Boden bereitet, als nächsten Schritt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare einzuführen".
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