Sechs tote UN-Soldaten: Spanien vermutet Fatah al Islam hinter Anschlag
zuletzt aktualisiert: 25.06.2007 - 07:56Madrid (RPO). Bei einem Anschlag auf UN-Truppen im Libanon sind am Sonntag sechs Soldaten aus Spanien ums Leben gekommen. Die spanische Regierung vermutet die palästinensische Organisation Fatah al-Islam hinter dem Anschlag. Madrid kündigte umgegehend an, die UN-Mission (UNIFIL) in der Krisenregion fortzusetzen. Spanien werde den Libanon weiter unterstützen.
Die Zahl der Anschlagsopfer stieg nach Ministeriumsangaben auf sechs Tote, nachdem ein spanischer Soldat seinen Verletzungen erlag. In ersten Berichten vom Sonntag war von fünf Todesopfern die Rede gewesen. Der Anschlag auf einen UN-Konvoi im Mardschajun-Chiam-Tal habe sich gegen die Stabilität der gesamten Region gerichtet, erklärte UNIFIL-Chefkommandeur General Claudio Graziano. Bei Kämpfen zwischen libanesischer Armee und Islamisten starben mindestens zehn Menschen.
"Spanien unterstützt die UNIFIL-Mission der Vereinten Nationen und wird sie weiter unterstützen", sagte Alonso vor Journalisten. Spanien hat im Rahmen des UNIFIL-Einsatzes fast 1100 Soldaten im Südosten Libanons nahe der Grenze zu Israel stationiert. Alonsos Ministerium teilte mit, einer der drei UN-Soldaten, die bei dem Attentat rund zehn Kilometer von der israelischen Grenze entfernt verwundet worden waren, sei wenige Stunden später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf sechs. Drei von ihnen waren nach Ministeriumsangaben Kolumbianer, die in der spanischen Armee dienten, die anderen drei waren spanische Staatsbürger.
UNIFIL sollen Waffenstillstand sichern
Mit dem Zünden eines Sprengsatzes beim Vorbeifahren des UN-Konvois per Fernsteuerung wurden das erste Mal seit Ende des Krieges zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz vor fast einem Jahr Blauhelm-Soldaten im Libanon zum Ziel eines Anschlags. Israel und die libanesische Hisbollah hatten sich in dem Grenzgebiet im vergangenen Sommer einen knapp sechswöchigen Krieg geliefert. Die UNIFIL soll in der Region gemeinsam mit der libanesischen Armee den Waffenstillstand sichern.
"Dieser Anschlag richtet sich nicht nur gegen den Libanon und die UNIFIL, sondern auch gegen die Stabilität der Region", erklärte Graziano. Die Gewalttat habe jedoch die Entschlossenheit der UNIFIL zur Erfüllung ihrer Mission nur gesteigert, versicherte der Italiener.
Rice sagte am Sonntagabend nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Bernard Kouchner in Paris, der Libanon habe mit seinem Vorgehen gegen Extremisten in palästinensischen Flüchtlingssiedlungen des Landes "viel gewonnen". Gemeinsam mit Kouchner verurteilte die US-Chefdiplomatin den Anschlag auf die UN-Soldaten. Israel drückte sein "tiefstes Bedauern" aus und bat Hilfe an.
Hisbollah distanziert sich
Die schiitische Hisbollah distanzierte sich in einer Erklärung von der "Aggression" gegen die UNIFIL-Soldaten. Der von Syrien unterstützte libanesische Präsident Emile Lahoud kritisierte den Anschlag als "Teil einer Kampagne zur Destabilisierung des Libanons". Zu dem Attentat bekannte sich zunächst niemand. Nach Angaben aus libanesischen Justizkreisen hatten die islamistische Fatah el Islam bereits Anfang Juni mit Anschlägen auf UNIFIL-Truppen gedroht.
In der nordlibanesischen Küstenstadt Tripoli nahmen Anhänger der Fatah el Islam in der Nacht zu Sonntag einen Geländewagen der Armee unter Beschuss, wie ein Militärsprecher sagte. Bei dem anschließenden Schusswechsel seien ein Soldat und sechs Islamisten ums Leben gekommen. Die Soldaten fanden in einem Wohnhaus im Viertel Abu Samra zudem die Leichen von einem Polizisten und zwei Zivilisten, darunter ein zehnjähriges Mädchen. In der Flüchtlingssiedlung Nahr el Bared, wo die Kämpfer der Fatah el Islam ihren Hauptstützpunkt haben, wurden drei Islamisten bei Kämpfen getötet.
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