Wegen Massakers an Zivlisten: Staatsanwalt fordert Todesstrafe für Saddam Hussein
zuletzt aktualisiert: 19.06.2006 - 13:07Bagdad (rpo). Der Prozess gegen Saddam Hussein steht kurz vor dem Abschluss: Der Generalstaatsanwalt fordert die Todesstrafe für ehemaligen irakischen Machthaber. Hussein habe ein Massaker an Männern, Frauen und Kindern angeordnet und seinen Verlauf genau verfolgt, so ein Opferanwalt.
Die Angeklagten verzogen während des Plädoyers keine Miene. Auch für die Mitangeklagten Barsan el Tikriti, den Halbbruder Sadamm Husseins, und den früheren Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan forderte Chefankläger Dschaafar el Mussawi am Montag in Bagdad die Todesstrafe. Insgesamt stehen neben Saddam Hussein sieben Mitangeklagte für das Massaker an Bewohnern des schiitischen Dorfes Dudschail im Jahr 1982 vor Gericht. Alle Angeklagten müssen sich im Zusammenhang mit dem Massaker an 148 Schiiten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Sie plädierten auf unschuldig.
"Sie haben Männer, Frauen und Kinder inhaftiert, die physischer und mentaler Folter ausgesetzt waren, darunter der Einsatz von Elektroschock", sagte ein Opferanwalt, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht wurde. Saddam Hussein habe das Massaker angeordnet und seinen Verlauf genau verfolgt.
Ein weiterer Angeklagter habe sich sogar persönlich an den Folterungen beteiligt. Der Anwalt erklärte, der angebliche Auslöser des Massakers in Dudschail, ein Attentat auf den Präsidenten, sei von der Führungsspitze selbst vorgetäuscht worden. Es gebe keine Beweise, dass es tatsächlich stattgefunden habe.
Der Vorsitzende Richter Rauf Abdel Rahman machte deutlich, dass das Gericht am Montag nur die Anklage hören werde. Trotzdem wurde er mehrfach von dem Verteidiger Barsan Ibrahim unterbrochen, der darum bat, etwas sagen zu dürfen. Der Richter antwortete, er könne sich zum Ende der Sitzung äußern. Die Schlussplädoyers der Verteidigung werden ab dem 10. Juli erwartet.
In Ramadi stießen amerikanische und irakische Soldaten weiter in den Osten der Stadt vor. Die US-Streitkräfte feuerten zu Beginn der Operation aus der Luft auf eine Gruppe mutmaßlicher Aufständischer und töteten dabei nach eigenen Schätzungen sechs Menschen. Mit dem Einsatz sollte ein neuer Außenposten der amerikanischen und irakischen Soldaten im Stadtteil Mulaab errichtet werden. Von dort aus sollen die Soldaten künftig ihre Patrouillen aufnehmen in einem Gebiet, in dem sie bisher praktisch nicht präsent waren. Die Truppen durchsuchten außerdem Dutzende Häuser und fanden dabei Waffen und Material zum Bau von Bomben. Rund 10.000 Menschen flüchteten aus Furcht vor einem Angriff aus der Stadt.
Im Osten der Hauptstadt Bagdad wurde eine irakische Patrouille Ziel eines Bombenanschlags. Drei Soldaten und zwei Zivilpersonen kamen ums Leben, wie die Polizei erklärte. Neun Passanten wurden verletzt. In Amarah südöstlich von Bagdad wurde ein ehemaliges Mitglied der verbotenen Baath-Partei erschossen. Aufständische töteten in Kerbela einen Oberst der Polizei.
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