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Rücktritt von Trumps Chefstrategen
"Bannon ist auf einer Mission – und er ist noch nicht fertig"

"Steve Bannon ist auf einer Mission – und er ist noch nicht fertig"
Steve Bannon (Archivfoto). FOTO: dpa, AB hjb gfh
Steve Bannon verlässt das Weiße Haus – doch sein Einfluss könnte dadurch sogar noch wachsen, sagt Jackson Janes, Experte für amerikanische Politik und deutsch-amerikanische Beziehungen in Washington. Von Helene Pawlitzki, Washington

Jackson Janes ist Präsident des "American Institute for Contemporary German Studies" in Washington, D.C. und beobachtet seit Jahrzehnten die politische Szene in den USA, besonders im Hinblick auf internationale Beziehungen. Wir haben mit ihm über den Rücktritt von Stephen – Steve – Bannon gesprochen.

Welche Bedeutung hat Bannons Abschied für das Weiße Haus?

Janes Die Frage ist, ob Bannon weiterhin Zugang zum Präsidenten hat – und ich bin sicher, das wird er. Die andere Frage ist: Was tut er als nächstes? Er ist wieder zu Breitbart zurückgegangen und könnte von diesem Podium herab die Menschen angreifen, die er für die Feinde des Präsidenten hält. Und zwar viel hörbarer als zuvor. Dann wäre er weniger Zwängen unterworfen. Er könnte dem Präsidenten gegenüber sehr viel vehementere Positionen vertreten. Er könnte wieder im Rampenlicht stehen, wie er es während seiner Zeit im Weißen Haus nicht konnte.

Was könnte der Grund für Stephen Bannons Rücktritt sein?

Janes Manche sahen ihn als den Beweis, dass Trump nur nachplappert, was jemand anderes ihm vorgibt – nämlich Stephen Bannon. Je länger er im Weißen Haus geblieben wäre, desto eher hätten die Menschen geglaubt, dass tatsächlich Bannon der Ursprung all dessen ist, was dort gedacht wird – in Bezug auf China, Iran, Immigration und so weiter. Wenn dieser Kanal geschlossen wird, können drei Dinge passieren: Trump sagt demnächst ganz andere Sachen. Oder andere springen für Bannon ein, die ähnlich denken. Oder die Menschen erkennen, dass Trump wirklich so denkt und keinen Stichwortgeber braucht.

Jackson Janes im Interview mit unserer Autorin. FOTO: Helene Pawlitzki

Wie werden die Menschen auf Bannons Ausstieg reagieren?

Janes Das kommt darauf an, was der Präsident als nächstes tut: Wenn er seine Positionen verändert, freuen sich einige vielleicht, dass dieses Kapitel zu Ende ist und der Präsident nicht mehr Bannons Bauchrednerpuppe ist. Wenn nicht, stellt sich eventuell heraus, dass Trumps Ansichten wirklich seine eigenen sind, die von Bannon nur verstärkt, aber nicht erfunden wurden.

Wofür steht Bannon politisch?

Janes Als das größte Problem betrachtet er die Beziehung mit China, wie er gerade wieder im Interview mit "American Prospect" gesagt hat. Ihm geht es darum, dass die Weltgemeinschaft keine Rolle spielt. Er glaubt an Nationalstaaten, die für ihre eigenen Interessen kämpfen. Was Donald Trump in seiner Amtsantrittsrede gesagt hat, kam Großteils von Bannon: "America first! Wir müssen uns mehr um uns selbst kümmern!"

Aber Sie glauben nicht, dass die isolationistische Politik jetzt endet?

Janes Absolut nicht! Ich wüsste nicht, warum Trump das ändern sollte. Genau so wenig, wie mir ein Grund einfällt, warum Trump irgendetwas anderes ändern sollte. Er hat mit Social Media die Wahl gewonnen. Warum sollte er aufhören zu twittern? Weil Stabschef Kelly ihm das sagt? Das wird nicht passieren.

Bannons Rücktritt kam vor dem Hintergrund der Diskussion über weißen Rassismus. Gibt es einen Zusammenhang?

Janes Es könnte auch ein Ablenkungsmanöver sein. Viele haben Trump nach der Pressekonferenz, in der er sowohl Linken als auch Rechten die Schuld an den Ereignissen in Charlottesville gab, vorgeworfen, in dieser Sache von Bannon beeinflusst zu werden. Man könnte nun annehmen, dass er nicht mehr im Oval Office ist, um genau das zu tun – dann wäre dies tatsächlich ein Wendepunkt. Mehr wissen wir erst nach dem nächsten Tweet, der nächsten Rede, der nächsten Pressekonferenz.

Also heißt es: gespannt den Atem anhalten.

Janes Mehr kann man bei diesem Präsidenten ohnehin nicht tun.

Wird Bannons Rücktritt die Hardliner unter Trumps Wählern verärgern?

Janes Für sie ist es ein symbolischer Vorgang. Und die Aufgabe, es ihnen zu erklären, liegt mindestens genauso in Bannons Verantwortung wie in Trumps. Er wird sich eine Erklärung einfallen lassen müssen, warum er das Weiße Haus nach sieben Monaten bereits wieder verlässt – und das wird nicht ganz einfach. Hat Trump etwa seinen Kritikern nachgegeben?

Was für ein Mensch ist Stephen Bannon?

Janes Es gibt eine Reihe solcher Typen wie ihn: Er war in der Navy, hat für die Regierung gearbeitet, dann in Hollywood viel Geld verdient – und hatte all das irgendwann über. Auf Deutsch sagt man: Er machte eine Kehrtwende. Er glaubt nicht daran, dass das derzeitige System funktioniert, sondern dass man es abschaffen muss – man könnte das auch kreativen Destruktionismus nennen.

Das ist etwas angsteinflößend.

Janes Ja, durchaus. Er hat sich mal einen Leninisten genannt. Das ist natürlich übertrieben. Aber seiner Ansicht nach wird der Staat immer mächtiger. Er sah eine Chance, das zu ändern und hielt es für seine Aufgabe, das auch zu tun. Er ist auf einer Mission. Und er ist noch nicht fertig.

Es ist also noch nicht das Ende der Ära Bannon?

Janes Bannon hat jetzt viel Macht, gerade weil er draußen ist. Je nachdem, wie er sich äußert, kann er den Präsidenten noch deutlicher unterstützen – oder er kann sich selbst als Opfer von Intrigen und Kritikern von außen darstellen. Sollte er das tun, wäre das sehr schlecht für den Präsidenten. Es könnte sein, dass Donald Trump ihn solange gehalten hat, weil er genau das wusste.

Mit Jackson Janes sprach Helene Pawlitzki.

 
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