kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Mahmoud Ahmadinejad
  Foto: FR50733 AP, AP
Kommentare ()

Ahmadinedschad, Gaddafi & Co.: Stücke aus dem Tollhaus Uno

VON GODEHARD UHLEMANN - zuletzt aktualisiert: 24.09.2009 - 19:56

Düsseldorf (RP). Das Podium der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York missbrauchen Redner immer wieder als Ort der Abrechnung, der Beleidigung und für Propagandareden.

Als am Donnerstag Irans Präsident Mahmud Achmadinedschad ans Rednerpult der 64. UN-Generalversammlung in New York trat, stieg bei vielen Zuhörern der Blutdruck. Man weiß, wenn der Iraner redet, dann fällt er aus der Rolle. Dann greift er gern ins verbale Arsenal des Antisemiten und tobt gegen Israel und die Zionisten. Er leugnet mit Vorliebe den Holocaust. Man weiß nicht, ob die Geschichte des Völkermords der Nazis spurlos an ihm vorbeigegangen ist oder ob er innerlich wächst, nur weil sich die Welt über seine Leugnung empört. Gestern sprach er nur vom „zionistischen Regime” und einem Völkermord an den Palästinensern. Die Holocaust-Leugnung hatte er schon kurz zuvor abgeliefert.

Die Reaktion vieler der in New York versammelten 192 Delegationen war klar. Die Deutschen verließen, wie die Briten, Franzosen, Italiener, Dänen und Ungarn den Saal. Auch Vertreter anderer Kontinente taten dies. Verkehrte Welt: Nicht die Täter werden an ihren verbalen Ausfällen gehindert, die von ihnen Verletzten räumen das Feld –­ mit Abscheu und Entsetzen.

Tollhaus-Auftritte sind nicht neu

Es ist nicht neu, dass die UN-Generalversammlung auch Stücke aus dem Tollhaus auf ihrem Spielplan hat. Sie wird fälschlicherweise oft als „Weltparlament” bezeichnet, wo –­ so glaubt man ­– ein verbindlicher Kodex aus Benimm-Regeln und der Achtung des Anderen herrsche. Weit gefehlt. Die Generalversammlung ist ein Forum zwischenstaatlicher Zusammenarbeit und Konsultation. Sie ist kein Teekränzchen britischer Ladies, sondern mitunter die Catcherbude ausgeflippter Potentaten.

Achmadinedschads Angriffe auf Israel hatten Vorläufer. 1975 hatte Ugandas Diktator Idi Amin, der als „Schlächter von Kampala” in die Geschichte einging, weil er Hunderttausende Ugander ermorden ließ, vor der Uno bereits die Auslöschung Israels und die Wiederherstellung der territorialen Integrität Palästinas gefordert.

Arafat in Freischärlerjacke

Ein Jahr zuvor war der PLO-Chef Jassir Arafat in Freischärlerjacke am Pult der Generalversammlung erschienen, gegürtet mit Pistolenhalfter. Er fuchtelte mit seiner Waffe und einem Olivenzweig herum und meinte: „Ich trage einen Olivenzweig und die Waffe eines Friedenskämpfers. Lassen Sie nicht zu, dass der Olivenzweig aus meiner Hand fällt.” Arafat hatte kein Land zu vertreten, nur sich. Das Rederecht stand ihm daher gar nicht zu.

Zum Auftakt jeder Sitzungsperiode spricht als erster das Staatsoberhaupt Brasiliens, weil das Land nach Gründung der Uno 1945 erstmals die Aussprache eröffnet hatte. Dann folgt der US-Präsident gleichsam als Gastgeber, weil die Uno-Zentrale auf amerikanischem Boden liegt. Danach reden die anderen angereisten Staatsoberhäupter, dann die Vizepräsidenten gefolgt von den Regierungschefs wie Angela Merkel. Als nächste dürfen die Außenminister das Wort ergreifen. Präsidenten dürfen 15 Minuten reden, danach können Redezeiten schon mal auf fünf Minuten schrumpfen.

Das Pult mit einem Schuh malträtiert

Nach den Statuten der Generalversammlung hat dessen Präsident für Ordnung zu sorgen. Er kann die Sitzung unterbrechen oder Ordnungsrufe verteilen. Als am 12. Oktober 1969 der damalige Kremlchef Nikita Chruschtschow wutschnaubend das Pult mit seinem Schuh malträtierte, zerbrach der Präsident der Vollversammlung seinen Hammer ­ dem Zeichen seiner Macht ­ als er Chruschtschow zur Ordnung hämmern wollte.

Und dann war da noch Venezuelas Präsident Hugo Chavez, der 2006 US-Präsident George W. Bush als Teufel bezeichnete, auf das Rednerpult zeigte und bemerkte, „es riecht hier immer noch nach Schwefel”. Dann bekreuzigte er sich.

 Den ersten Eklat in diesem Jahr hatte der Libyer Muammar al Gaddafi provoziert. Ungestraft zerriss der Revolutionsführer die Uno-Charta und bezeichnete den Sicherheitsrat als Terrorrat ­ welch ein Stück aus dem Tollhaus. Sein Land stellt den Sitzungspräsidenten.

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Wie die Politik den Fußball verändern will

Innenminister tagen

Wie die Politik den Fußball verändern will

Die Gewalt in und um Fußballstadien beschäftigt die Innenminister. Auf ihrer Tagung in Mecklenburg-Vorpommern wollen sie beraten, wie sich R ... mehr 

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

Betreuungsgeld für Eltern

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hat den Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld auf den ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

"Polnisches Todeslager"

Weißes Haus bedauert Obamas KZ-Versprecher

Das Weiße Haus hat sich für eine missglückte Äußerung von US-Präsident Barack Obama zu einem nationalsozialistischen Konzentrationslager in Polen entschuldigt, das der Staatschef als "polnisches Todeslager" bezeichnet hatte. mehr

 
 
 

US-Präsident bestimmt Ziele der Drohnenangriffe

Obama wacht persönlich über "Todesliste"

 

Diese Männer spalten Ägypten

Ein Islamist und ein Mubarak-Mann

 

Bundespräsident zu Gast in Israel

Gauck: Israel plant keinen Angriff gegen Iran

Top-Services