Nach Freispruch: Südafrikas Ex-Vize will trotz Vergewaltigungsprozess Staatsoberhaupt werden
zuletzt aktualisiert: 09.05.2006 - 13:46Johannesburg (rpo). Gerade erst wurde der ehemalige südafrikanische Vize-Präsident Jacob Zuma vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, da kündigt er auch schon an, in das Rennen für die Präsidentschaft 2009 einsteigen zu wollen. Im Prozess hatte Zuma unter anderem gesagt, er habe nach Sex mit einer HIV-positiven Frau geduscht, um eine Infektion zu verhindern.
"Ich bin wieder da", sagte Zuma am Dienstag dem Rundfunksender SABC. Zugleich versuchte er einige Stellungnahmen aus dem Vergewaltigungsverfahren zurecht zu rücken , die in der Öffentlichkeit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatten. So bezeichnete er die Immunschwächekrankheit Aids als eine "gefährliche Sache", gegen die der "Kampf fortgeführt wird". Der 64-Jährige hatte nach Sex mit einer 31-jährigen HIV-positiven Bekannten öffentlich gesagt, er habe anschließend geduscht, um die Gefahren einer Übertragung des Krankheitserregers zu "minimieren".
"Ich hätte vorsichtiger und verantwortlicher handeln müssen", sagte Zuma. Bei seinen Äußerungen über Aids und bei dem ungeschützten Verkehr mit der Frau habe er "Fehler begangen". Die Regierungspartei ANC, die seit dem Ende der Apartheid 1994 an der Macht ist, kündigte an, Zuma werde künftig wieder seine Funktion als Nummmer zwei der Partei ausüben können. Zuma könne "zu uns zurückkehren", sagte Generalsekretär Kgalema Motlanthe. Unklar war allerdings, ob durch den Vergewaltigungsprozess seine Chancen für eine Präsidentschaftskandidatur nicht doch dauerhaft geschmälert wurden.
Freigesprochen
Im spektakulärsten Prozess seit dem Ende der Apartheid in Südafrika war Zuma am Montag vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Richter Willem van der Merwe sagte zur Begründung, eine Schuld des Angeklagten habe nicht zweifelsfrei bewiesen werden können. Er gehe davon aus, dass die sexuelle Beziehung zwischen dem 64-Jährigen und der 31-jährigen Klägerin auf gegenseitigem Einverständnis beruhte. Dem Politiker war vorgeworfen worden, im November die HIV-positive Tochter eines Freundes missbraucht zu haben. Tausende Anhänger Zumas brachen bei der Bekanntgabe des Freispruchs in Jubel aus.
In seiner Urteilsbegründung folgte Richter van der Merwe der Argumentation der Verteidigung, die die Glaubwürdigkeit des Opfers in Frage gestellt hatte. Berichte über andere Vergewaltigungen der Frau hatten sich als falsch herausgestellt. Die 31-Jährige, die Zuma von Kindesbeinen an kennt, hatte angegeben, sie sei im November von dem mehr als doppelt so alten Politiker im Gästezimmer zum Sex ohne Kondom gezwungen worden, obwohl Zuma von der HIV-Erkrankung der Frau wusste.
Jeder siebte Erwachsene HIV-positiv
Van der Merwe kam dagegen zu einem anderen Schluss: "Ich denke, dass die Klägerin und der Angeklagte in gegenseitigem Einverständnis Sex im Schlafzimmer hatten." Der Richter kritisierte allerdings das Verhalten Zumas scharf, ungeschützt mit einer HIV-positiven Frau zu schlafen. In Südafrika ist jeder siebte Erwachsene HIV-positiv. Das Urteil, dessen Verlesung mehr als sechs Stunden dauerte, wurde live in allen großen Hörfunk- und Fernsehstationen des Landes übertragen.
Zuma war im Juni 2005 wegen einer Korruptionsaffäre seines Amtes enthoben worden; bis dahin galt der ehemalige Anti-Apartheids-Held als möglicher Nachfolger von Präsident Thabo Mbeki. Nach dem Freispruch sprach der Politiker in der Nähe des Gerichtsgebäudes auf Zulu zu seinen Anhängern. "Ich liebe Euch genauso wie Ihr mich liebt", sagte Zuma in Begleitung seiner Tocher Duduzile, die im Prozess für ihn ausgesagt hatte. "Ich danke Euch für Eure Unterstützung."
Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich tausende Anhänger versammelt, die nach der Urteilsverkündung tanzten und Parolen gegen Mbeki riefen. "Zuma ist unser Präsident. Wir werden für Zuma sterben", skandierte die Menge. Zuma selbst sah sich in den vergangenen Monaten als Opfer eines "Komplotts", machte jedoch keine Angaben zu den Hintermännern. Mbeki erklärte, er akzeptiere das Urteil. Der Afrikanische Nationalkongress (ANC), dessen Vizepräsident Zuma ist, reagierte zunächst nicht.
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