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Südamerika-Reise der Kanzlerin
Merkel im Land des Tango

Südamerika-Reise der Kanzlerin: Merkel im Land des Tango
Bundeskanzlerin Merkel nach ihrer Ankunft in Buenos Aires. FOTO: dpa, mkx htf
Buenos Aires. Am Donnerstagvormittag ist Kanzlerin Merkel in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gelandet, wo sie mit Ehrenspalier begrüßt wurde. Am Freitag wird sie nach Mexiko weiterreisen. In beiden Ländern steht die Vorbereitung des G20-Gipfels im Mittelpunkt, zu dem sich Anfang Juli die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Hamburg treffen.  Von Eva Quadbeck

Zum ersten Mal in ihrer Amtszeit ist Merkel nach Argentinien gereist. Dabei hat der südamerikanische Staat vielfältige Beziehungen zu Deutschland. Etwa 50.000 deutsche Staatsangehörige und eine Million deutschstämmige Menschen leben dort. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind eher bescheiden. Das Handelsvolumen beträgt gerade mal 4,1 Milliarden Euro. Exportschlager nach Deutschland ist das argentinische Steak: 26 Prozent der Rindfleisch-Exporte landen in  Deutschland.

In den Staaten Lateinamerikas wird die deutsche Kanzlerin aus dem Blickwinkel gesehen, aus dem auch das demokratisch gesinnte Amerika auf sie schaut. Die "New York Times" hatte Merkel nach der Wahl Trumps zur "Führerin der freien Welt" ausgerufen. Merkel hat diese Zuschreibung bereits öffentlich zurückgewiesen. Dennoch haftet sie an ihr, auch wegen ihres Politikansatzes, nicht nur Themen bei einer G20-Präsidentschaft durchzusetzen, die originär Deutschland helfen. Vielmehr bemüht sie sich um Kontinuität bei jenen Themen, die aus ihrer Sicht weit über ihre Präsidentschaft hinausreichen. Die Berufstätigkeit von Frauen, die Digitalisierung und der weltweite Schutz vor Seuchen zählen dazu.

Mit dem Image, die Anführerin der freien westlichen, auf humanitäre Werte gerichteten Welt zu sein, wird Merkels Stellung bei den G20-Verbündeten nicht leichter. Im Gegenteil: Je stärker die Polarisierung zwischen ihr einerseits sowie dem russischen, dem chinesischem und ja auch dem amerikanischen Präsidenten andererseits wahrgenommen wird, umso schwieriger wird es für die Kanzlerin, sachlich über die ohnehin schwierigen Themen mit diesen Präsidenten zu verhandeln, da dann auch die ideologische Frage mitschwingt.

Der argentinische Präsident Maurico Macri, den Merkel am Mittag treffen wird, tritt Trump sehr selbstbewusst gegenüber. Die beiden kennen sich als Geschäftsleute schon seit mehr als 30 Jahren. 2012 sagte Trump über Macri: "Ich kenne gute Geschäftsmänner in der Region, wie zum Beispiel Macri. Er ist ein guter Mann." Wie Trump umgibt sich auch Macri mit Wirtschaftsbossen in seiner Regierung. Macri aber  bezeichnete Trump im November 2016 als "übergeschnappt" und glaubte nicht an dessen Wahlsieg.

Unter der Präsidentschaft Macris mauserte sich Argentinien in nur kurzer Zeit zum Vorzeigestaat Südamerikas. Mit ihm ist das Land auf die Weltbühne zurückgekehrt. Dieser Präsident hat durch Umschuldung und harte Reformen das Land aus der Krise geführt. Entgegen der Strategie Trumps hob Macri für sein Land protektionistische Vorkehrungen auf und beflügelte so vor allem die für Argentiniens Wirtschaft so wichtigen Agrarexporte. Erstmals wird Argentinien 2017 nach Jahren der Rezession wieder ein positives Wachstum haben. Macri ist auch für den G20-Gipfel ein Hoffnungsträger als Befürworter eines freien Handels und Förderer Klimaschutzes.

Er versucht, Argentinien und andere südamerikanische Staaten politisch und wirtschaftlich unabhängiger von den USA zu positionieren. Ein wichtiger Hebel dazu ist das sogenannte Mercosur-Abkommen für Freihandel zwischen EU und den Ländern Argentinien, Uruguay, Paraguay sowie Brasilien. Merkel hat ein Interesse daran, das Abkommen noch in diesem Jahr unter Dach und Fach zu bringen – allerdings ohne diesen Abschluss als Allianz gegen die freihandelskeptische USA wirken zu lassen.

In Buenos Aires, wo es eine große jüdische Gemeinde Lebtag gibt, wird die Kanzlerin auch die Synagoge "Templo de Libertad" besuchen und am Nachmittag den Park der Erinnerung besuchen, wo den Opfern der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 gedacht wird. Am Abend hält sie eine Rede vor Studenten. 

 
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