Norden bedauert Tod von Zivilisten: Südkorea droht mit massiver Vergeltung
zuletzt aktualisiert: 27.11.2010 - 13:37Seoul (RPO). Vor dem gemeinsam mit den USA geplanten Militärmanöver hat Südkorea dem kommunistischen Norden mit massiver Vergeltung für den Artillerieangriff auf eine Insel gedroht. Nordkorea werde "hundert- und tausendfach" für die Aggression bezahlen, sagte der oberste Marinechef Yoo Nak Joon am Samstag.
Nordkorea warnte vor unabsehbaren Folgen des Manövers, bedauerte aber auch erstmals den Tod von Zivilisten bei dem Insel-Beschuss.
Der Tod von zwei bei dem Zwischenfall getöteten Marinesoldaten werde "mit Sicherheit" gerächt werden, sagte Marine-Stabschef Yoo Nak-Joon bei der Beerdigung der beiden Truppenangehörigen. An der im Fernsehen übertragenen Trauerfeier in einem Militärkrankenhaus nahe Seoul nahmen auch Regierungschef Kim Hwang Sik sowie hohe Militärs und Angehörige der beiden Soldaten teil. Nach der Gedenkfeier wurden die Toten auf den Nationalfriedhof in der südlichen Stadt Daejeon gebracht.
Die beiden 20 und 22 Jahre alten Soldaten waren am Dienstag bei einem nordkoreanischen Artillerieangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong getötet worden, bei dem auch zwei Zivilisten ums Leben kamen. 18 weitere Menschen wurden verletzt.
Verteidigungsminister kündigt Reaktion an
Auch Südkoreas am Freitag ernannter neuer Verteidigungsminister Kim Kwan Jin kündigte klare Reaktionen seines Landes an. "Wir müssen entschlossen auf die Provokationen Nordkoreas antworten", sagte er der südkoreanischen Tageszeitung "Chosum Ilbo". Kims Vorgänger war nach Kritik an einer angeblich zu zögerlichen Reaktion auf Nordkoreas Angriff zurückgetreten.
Vor dem Seemanöver drückte die Führung Nordkoreas erstmals ihr Bedauern über den Tod von Zivilisten aus. Sollte es wahr sein, dass es bei dem Zwischenfall zwei zivile Opfer gegeben habe, sei dies "sehr bedauerlich", hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung. Schuld an ihrem Tod sei Südkorea jedoch selbst, weil es die Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" benutzt habe.
Zu dem viertägigen Manöver, das am Sonntag beginnen sollte, wurde auch der Flugzeugträger "USS George Washington" im Gelben Meer erwartet. Auf dem mit einem Atomantrieb ausgestattete Schiff sind 5500 Soldaten und 75 Kampfflugzeuge stationiert. Der Flugzeugträger wird von zahlreichen weiteren Kriegsschiffen begleitet.
Norden warnt vor Konsequenzen
Nordkorea warnte über KCNA vor "unvorhersehbaren Konsequenzen", sollte der Flugzeugträger in die zwischen China, Süd- und Nordkorea zu großen Teilen umstrittenen Seegebiete des Gelben Meeres einlaufen. Ein Sprecher von Südkoreas Präsident Lee Myung Bak sagte, Nordkorea könne während der geplanten Militärübung "unberechenbare Aktionen" ausführen.
Die USA bekräftigten, dass sich das Manöver nicht gegen China richte. Die Übungen seien "defensiver Natur" und sollten zur Abschreckung Nordkoreas dienen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte in einem Telefonat mit ihrem chinesischen Kollegen Yang Jiechi, sein Land solle Nordkoreas Verhalten als "unakzeptabel" verurteilen.
Zuvor hatte die Führung in Peking die USA und Südkorea vor einem Eindringen in chinesische Gewässer gewarnt. China ist der engste Verbündete Nordkoreas und äußerte sich bislang sehr zurückhaltend.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum