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Zweiter Weltkrieg
Südkorea und Japan wollen Streit um "Sexsklaverei" beilegen

Südkorea und Japan wollen Streit um "Sexsklaverei" beilegen
Opfer von damals verfolgen aufmerksam die Nachrichten über die Einigung. FOTO: ap
Tokio. Südkorea und Japan haben sich nach jahrzehntelangem Streit um die Versklavung koreanischer Frauen in japanischen Soldatenbordellen im Zweiten Weltkrieg überraschend geeinigt. Bei Opfern und Kritikern stieß der Deal dagegen auf Skepsis. 

Die Übereinkunft solle "endgültig und unwiderruflich" sein, sagte Japans Außenminister Fumio Kishida am Montag nach einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung Se in Seoul. Kishida nannte sie "historisch und epochemachend". Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye sagte, die Umsetzung könne einen Neubeginn der Beziehungen einläuten.

Beide Seiten einigten sich auf die Einrichtung eines neuen Fonds zur Unterstützung der Opfer in Höhe von rund einer Milliarde Yen (7,6 Millionen Euro). Das Geld wird Japan bereitstellen. Zudem sprach der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe nach den Worten seines Außenministers den Opfern seine "aufrichtige Entschuldigung und Reue" aus.

Nach Schätzungen von Historikern wurden im Zweiten Weltkrieg bis zu 200 000 Frauen, vor allem aus Korea und China, gezwungen, Soldaten der japanischen Kaiserarmee in Frontbordellen zu Diensten zu sein.
Heute sind nur noch 46 der inzwischen hochbetagten Opfer in Südkorea am Leben.

Der Streit um die euphemistisch "Trostfrauen" genannten Frauen war bisher das größte Hindernis für eine Verbesserung der Beziehungen beider ostasiatischer Staaten. Nach dem Amtsantritt von Abe, einem überzeugten Nationalisten, Ende 2012 hatten sich die Beziehungen zwischen Seoul und Tokio weiter verschlechtert. Südkorea warf der Regierung in Tokio vor, das Schicksal der Frauen zu ignorieren und Kriegsgräuel zu verschleiern. Die südkoreanische Präsidentin Park hatte sich seit Beginn ihrer Amtszeit Anfang 2013 zunächst geweigert, Abe zu bilateralen Gesprächen zu treffen.

Vor dem Hintergrund des 50. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Südkorea verständigte sie sich schließlich nach jahrelanger Eiszeit im vergangenen Monat bei einem Treffen mit Abe darauf, den Konflikt möglichst bald beizulegen. Seit dem Treffen zwischen Park und Abe hatte es weitere positive Entwicklungen gegeben. So sprach ein Gericht in Seoul einen japanischen Journalisten frei, der Park beleidigt haben soll. Doch die am Montag erzielte Einigung zwischen beiden Ländern erscheint Kritikern fragil.

Sowohl die Einrichtung eines Fonds als auch eine Entschuldigung Japans ähneln bereits früher von Japan ergriffenen Maßnahmen. Es sei daher ungewiss, ob sich die südkoreanische Öffentlichkeit damit zufriedengebe. Die japanische Regierung hat die Opfer, die bis heute unter den seelischen Folgen der Sexsklaverei leiden, nie direkt entschädigt. Tokio hat stets betont, dass die Frage von Entschädigung bereits 1965 in einem Vertrag zur Normalisierung der Beziehungen abschließend geklärt worden sei. Zwar wurde 1995 ein privat finanzierter Fonds für Opfer aufgelegt, doch empfanden viele Koreaner dies als unzureichend.

Auch die am Montag erzielte Einigung ist laut Kritikern nicht das, was die Opfer erwartet hatten. Viele Überlebende forderten von Japan eine offizielle Entschuldigung, Entschädigungszahlung sowie die Behandlung von Japans Kriegsverbrechen in den Schulbüchern des Landes. Es geht den Frauen letztlich darum, ihre Würde und Ehre zurückzuerlangen.

Unter der Voraussetzung, dass die vereinbarten Schritte dauerhaft umgesetzt werden, würden beide Regierungen die "Trostfrauen"-Angelegenheit für "endgültig und unumkehrbar" beendet erklären, sagte Kishida. Auch Yun sagte, Seoul werde die Sache für beigelegt ansehen, sofern Japan sich an die Vereinbarung halte.

(dpa)
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