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Fragen und Antworten
Südsudan - der blutige Konflikt im jüngsten Staat der Welt

Südsudan - der blutige Konflikt im jüngsten Staat der Welt
Menschen laufen während einer kurzen Feuerpause im Konflikt zwischen den Soldaten von Präsident Kiir und seinem Vizepräsidenten Machar über eine Straße in Juba. FOTO: dpa, fis fdt
Juba. 2011 wurde mit dem Südsudan die jüngste Nation in die Weltgemeinschaft aufgenommen. Ende 2013 brach dann erneut ein Bürgerkrieg aus. Zehntausende Menschen starben seitdem.

Ein Friedensabkommen ließ neue Hoffnung aufkeimen - bis jetzt wieder Anhänger der Erzrivalen, Präsident Salva Kiir und Vizepräsident Riek Machar, zu den Waffen griffen. Fragen und Antworten zum Thenkomplex:

Wo liegt der Ursprung dieses Konflikts?

Der Südsudan ist die jüngste Nation der Welt. Das ostafrikanische Land erlangte am 9. Juli 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Zwei Jahre später entbrannte ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Vizepräsidenten Riek Machar. Machar gründete eine Rebellenorganisation, die SPLA-IO, der auch viele Soldaten der Streitkräfte (SPLA) beitraten. Kiir gehört den Dinka an, der größten und einflussreichsten Volksgruppe. Dinka besetzen traditionell wichtige Positionen in Politik und Militär. Machar ist dagegen ein Nuer. Das ist eine kleinere Gruppe. Der Konflikt im Südsudan verläuft eng entlang dieser ethnischen Linien.

Wer kämpft derzeit gegen wen?

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba bekämpfen sich derzeit Soldaten der loyal zu Präsident Kiir stehenden Streitkräfte (SPLA) und ehemalige Rebellen (SPLA-IO). Rund 1500 Ex-Rebellen wurden vor der Rückkehr Machars in Juba stationiert. Als sich Soldaten der SPLA-IO am vergangenen Donnerstag weigerten, an einem Kontrollpunkt der SPLA anzuhalten, kam es zu einer Schießerei. Seit Freitag brachen heftige Kämpfe in mehreren Teilen der Hauptstadt aus. Auch in anderen Orten soll es zu Zusammenstößen der Truppen gekommen sein.

Rutscht das Land erneut in den Bürgerkrieg ab?

Ein im August 2015 unterzeichnetes Friedensabkommen sieht vor, dass Machar wieder Vizepräsident einer Einheitsregierung wird. Er wurde im April vereidigt. Das Abkommen beinhaltet auch, dass die ehemaligen Rebellen in die Streitkräfte integriert werden sollen. Mit der Stationierung von Truppen der SPLA-IO in Juba entwickelten sich jedoch neue Spannungen. Keine der beiden Seiten traut der anderen. Aus Sicht der Risikoberatung Verisk Maplecroft ist ein neuer Bürgerkrieg unausweichlich.

Welche Folgen hat die Gewalt auf die Zivilbevölkerung?

Seit Ende 2013 sind allein Zehntausende Menschen an den Folgen der Gewalt gestorben. Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich derzeit rund 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Fast die Hälfte der rund 4,8 Millionen Einwohner ist nach Angaben von Hilfsorganisationen in den kommenden Monaten akut von Hunger bedroht. Die neuen Kämpfe machten es Hilfsorganisationen fast unmöglich, die Bedürftigen zu erreichen, teilte die Organisation World Vision mit.
Viele Kinder seien unterernährt und krank, von ihren Familien getrennt und traumatisiert.

Was macht die internationale Gemeinschaft, um weiteres Blutvergießen zu verhindern?

Die UN und zahlreiche Hilfsorganisationen haben gemeinsam mit Präsident Kiir zu einem Ende der jüngsten Kämpfe aufgerufen. Die UN-Friedensmission im Südsudan (UNMISS) hat mehr als 13.000 Militärangehörigen und Polizisten im Land stationiert, darunter auch 334 Deutsche. Im vergangenen Jahr betrug das Budget für die Mission mehr als eine Millarde US-Dollar (rund 900.000 Euro).

(felt/dpa)
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