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Syrien-Krieg
Kritik an Russland für Nutzung iranischer Stützpunkte

Syrien-Krieg: Kritik an Russland für Nutzung iranischer Stützpunkte
Vom Iran aus fliegen jetzt russische Bomber nach Syrien FOTO: dpa, mda
Washington . Die Nutzung Russlands iranischer Stützpunkte für Luftangriffe in Syrien sorgt für Ärger. Die USA sprechen von einem  "unglücklichen" Vorgehen. Auch im Iran ist die Aktion umstritten.

Die Entwicklung sei "unglücklich, aber nicht überraschend oder unerwartet", sagte US-Außenamtssprecher Mark Toner in Washington. Die Einbeziehung des Iran mache eine "ohnehin schon kontroverse und komplizierte Situation noch komplizierter", fügte der Sprecher hinzu. Das Ziel einer landesweiten Beendigung der Kämpfe in Syrien rücke dadurch in noch weitere Ferne. Die Nutzung des iranischen Stützpunkts durch Russland könnte laut Toner zudem eine Verletzung des Waffenembargos gegen den Iran darstellen. Danach bedarf der Verkauf, die Lieferung oder der Transfer von Kampfflugzeugen in den Iran einer Genehmigung des UN-Sicherheitsrats.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow entgegnete, es gebe "keinen Grund, Russland eine Verletzung der Resolution vorzuwerfen". Es habe weder einen "Verkauf, noch eine Lieferung oder einen Transfer von Kampfflugzeugen an den Iran" gegeben. Die russischen Kampfjets beteiligten sich lediglich auf Bitten der syrischen Führung und mit Zustimmung Teherans an einem Anti-Terror-Einsatz in Syrien. "Hier gibt es nichts zu diskutieren", sagte Lawrow.

Iran versucht zu beschwichtigen

Auch im Iran sorgten die russischen Militäraktionen für Verwirrung. Nach einer indirekten Bestätigung vom nationalen Sicherheitsrat vom Vortag ruderte Parlamentspräsident Ali Laridschani zurück. "Wir haben weder den Russen noch irgend einem anderen Land einen Flugstützpunkt zur Verfügung gestellt", sagte er der Agentur Irna zufolge. Zugleich betonte er, nur Russland schätze die Lage in Syrien realistisch und korrekt ein. Die Zusammenarbeit mit Moskau solle die Terrorgefahr durch den IS eindämmen, erklärte er.

Die Erklärungsnot der iranischen Führung ist nicht unbegründet. Die Verfassung verbietet die Stationierung von ausländischen Truppen im Land. Es ist das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dass ein Drittland iranische Stützpunkte verwendet.

Flüge wurden fortgesetzt

Die russische Luftwaffe hatte am Dienstag erstmals vom Iran aus Angriffe auf Ziele in Syrien geflogen. Russische Kampfjets starteten nach Angaben Moskaus vom iranischen Stützpunkt Hamedan, um die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) und die Fateh-al-Scham-Front, die frühere Al-Nusra-Front, anzugreifen. Im Iran erklärte der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Schamkani, im Rahmen des "Antiterrorkampfs" tauschten sein Land und Russland "Mittel und Infrastruktureinrichtungen" aus.

Auch am Mittwoch setzte Russland die Einsätze vom Stützpunkt Hamedan aus fort. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums trafen Kampfjets dabei IS-Stellungen in der syrischen Region Deir Essor. Dabei sei die "maximale Kapazität" der Flugzeuge ausgenutzt worden. Die Kampfjets waren demnach mit Splitterbomben ausgerüstet. Russland zufolge wurden bei den Luftangriffen mehrere Kommandoposten und Ausbildungslager der Dschihadisten zerstört. Auch "mehr als 150 Kämpfer" seien getötet worden, darunter auch ausländische Extremisten.

Russland und der Iran stehen an der Seite des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Sie unterstützen ihren Verbündeten militärisch, finanziell und politisch. Die russischen Angriffe erfolgten bislang unter anderem vom Luftwaffenstützpunkt Hmeimim im Nordwesten Syriens oder von Schiffen aus.

(crwo/afp/dpa)
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