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Bürgerkrieg
Kurden rufen autonome Region in Syrien aus

Syrien: Kurden rufen autonomen Staat aus
Russisches Militär verlässt Syrien. FOTO: dpa, of jak
Beirut/Moskau. Obwohl Russland Syriens Präsident Assad unterstützt, lässt es den oppositionellen Kurden Spielraum. Denn diese ärgern Moskaus Gegenspieler - die Türkei. Nach dem Teilabzug russischer Truppen aus Syrien sagt Putin, dass das Militär in wenigen Stunden wieder vor Ort sein könnte.

Die Kurden in Syrien haben eine autonome Region ausgerufen. Sie umfasse Gebiete, die kurdische Einheiten im Norden des Bürgerkriegslandes unter ihre Kontrolle gebracht haben, sagte der Sprecher der Demokratischen Unionspartei PYD, Nawaf Chalil, am Donnerstag. Die Regierung und die Rebellen wiesen dies zurück. Russland erklärte, die Syrer müssten selbst entscheiden, wie ihr Staat künftig organisiert werden soll. Der Teilabzug russischer Truppen solle bis Sonntag abgeschlossen sein.

Chalil sagte, die Region umfasse die drei kurdischen Enklaven in Nordsyrien - Dschasira, Kobane und Afrin. Die Föderalisierungserklärung sei von einer Konferenz etwa 200 kurdischer Abgeordneter aus diesen Gebieten verabschiedet worden. Das syrische Außenministerium erklärte, die Erklärung verstoße gegen die Verfassung und sei deswegen wertlos. Die Syrische Nationalkoalition - eine der wichtigsten Rebellenorganisationen - wies die Autonomie als einseitigen Schritt zurück und warnte vor der Bildung autonomer Regionen.

Putin: Zukunft von Syrien im Dialog entscheiden

Russlands Präsident Wladimir Putin ließ durch seinen Sprecher Dmitri Peskow mitteilen, es sei wichtig, dass Syrien als Staat erhalten bleibe. Die Zukunft des Landes solle in einem Dialog zwischen allen ethnischen und religiösen Gruppen des Landes beraten und im Konsens entschieden werden. Russland habe stets darauf gedrängt, die Kurden an den Friedensgesprächen in Genf zu beteiligen. Die PYD ist dort jedoch nicht vertreten, aus Rücksicht auf die Türkei, die den militärischen Arm der Gruppe, die Volksschutzeinheiten YPG, als Terrororganisation betrachtet.

Putin sagte, der Teilrückzug russischer Truppen schränke die Handlungsfähigkeit seines Landes in Syrien nicht ein. Luftabwehrraketen sollten stationiert bleiben. Die syrische Armee werde ihre Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat bei Palmyra fortsetzen und könne auf jegliche Unterstützung Russlands rechnen. Falls nötig, könne Russland sein Militär innerhalb weniger Stunden wieder aufbauen, um extremistische Gruppen zu bekämpfen.

Der UN-Berater für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, lobte die Rolle Russlands bei der Versorgung eingeschlossener Regionen mit Hilfsgütern. Er hoffe, Moskau werde dies trotz des teilweisen Abzugs seiner Streitkräfte auch weiter unterstützen.

Russland will Teile der Armee abziehen

Putin hatte den Teilrückzug am Montag überraschend angekündigt. Wie viele Kräfte in Syrien bleiben sollen, blieb offen. Russlands Militär hatte sich seit September mit Luftangriffen an der Seite der syrischen Regierung am Bürgerkrieg beteiligt. Die Kosten für den Einsatz bezifferte Putin auf umgerechnet 425 Millionen Euro.

Die USA schätzen, dass etwa 3000 bis 6000 russische Soldaten in Syrien waren. Außerdem habe Moskau mehr als 50 Flugzeuge und Hubschrauber am Luftwaffenstützpunkt Hemeimim stationiert gehabt. Russland nutzt darüber hinaus den Marinestützpunkt Tartus.

(haka/ap)
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