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Probleme bei humanitärer Versorgung
Neue Kämpfe nahe Aleppo gefährden Waffenruhe für Syrien

Beirut. Rund um die Stadt Aleppo gibt es neue Kämpfe an mehreren Fronten. Die fragile Waffenruhe für Syrien und die Friedensverhandlungen werden in Frage gestellt. Außerdem bestehen ernsthafte Schwierigkeiten bei der humanitären Versorgung der Bevölkerung in dem Bürgerkriegsland.

Das berichtete der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura. Regierungstruppen, Rebellen und Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Stadt (IS) lieferten sich am Donnerstag Bodenkämpfe um die Kontrolle einzelner Gebiete der Provinz Aleppo.

Die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad starteten mit Unterstützung russischer Kampfflugzeuge eine Offensive nördlich der Provinzhauptstadt Aleppo, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Zahlreiche Luftangriffe rund um die Stadt

Am stärksten waren demnach die Kämpfe bei Handarat, einem bergigen Gebiet entlang einer Straße, die aus dem von der Opposition kontrollierten Stadtgebiet nach Norden führt. Russische und syrische Flugzeuge flogen der Beobachtungsstelle zufolge Angriffe auf und nahe von Handarat.

Ein Korrespondent im Ostteil Aleppos berichtete, die Einschläge der Luftangriffe seien den ganzen Tag über zu hören gewesen, die Stadt selbst sei aber nicht getroffen worden. Unter den Bewohnern der von der Opposition kontrollierten Viertel wachse die Furcht vor einer Belagerung durch Assads Truppen.

In Washington zeigte sich ein ranghoher Regierungsvertreter "sehr besorgt über Informationen über eine Offensive bei Aleppo". Dadurch könne die Waffenruhe brechen, die fast sieben Wochen gehalten habe, zuletzt aber "unter zunehmendem Druck" gestanden habe, sagte er AFP. Der US-Vertreter forderte Russland erneut auf, "jede provokative Handlung in Syrien zu unterlassen".

Hilfsarbeit in Syrien ist frustrierend

Unterdessen sagte der UN-Sondergesandte Mistura in Genf, die zuständige Arbeitsgruppe sei "frustriert" und "enttäuscht" vom Stand der Hilfslieferungen in besetzte Gebiete in Syrien. Es sei bislang nicht gelungen, Konvois in die Orte Duma, Daraja und Harasta zu schicken. Für andere Orte wie Sabadani, Kefraja und Fua müsse noch mehr getan werden.

Indes sei es dem Welternährungsprogramm (WFP) gelungen, drei Ladungen an Hilfsgütern in die Stadt Deir Essor zu bringen, wo mehr als 200.000 Menschen eingeschlossen sind. Die Stadt wird von Kämpfern des IS belagert.

Von Damaskus habe er außerdem die Zusage erhalten, Medikamente verteilen zu dürfen, sagte der UN-Gesandte. De Mistura äußerte sich am Rande der Friedensgespräche für Syrien, die am Mittwoch unter UN-Vermittlung in Genf wieder aufgenommen worden waren.

Obama schätzt den IS als geschwächt ein

Nach Einschätzung von US-Präsident Barack Obama ist der IS nach der Tötung mehrerer führender Mitglieder in Syrien und im Irak deutlich geschwächt. Der IS sei "in der Defensive, und wir sind in der Offensive", sagte Obama nach Beratungen mit seinem Sicherheitsteam. Er verwies auf die jüngsten Luftangriffe der US-geführten Militärkoalition auf den IS, bei denen drei führende Mitglieder der Miliz getötet worden seien.

In Syrien gilt seit Ende Februar eine Waffenruhe, von der jedoch Angriffe auf Extremisten wie den IS sowie die Al-Nusra-Front ausgenommen sind. Besonders in der Provinz Aleppo waren die Kämpfe zwischen Rebellen und IS-Kämpfern nahe der Grenze zur Türkei in den vergangenen Tagen wieder heftiger geworden.

(AFP)
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