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Krise zwischen Moskau und Ankara
Russland installiert Raketensystem nahe türkischer Grenze

Fotos: Kampfjet an türkisch-syrischer Grenze abgeschossen
Fotos: Kampfjet an türkisch-syrischer Grenze abgeschossen FOTO: dpa, sdt jak
Ankara. Russland hat sein Raketensystem russischen Berichten zufolge bereits in Syrien installiert. Die Türkei bemüht sich, die russische Führung zu besänftigen. Doch der Kreml geht darauf bislang nicht ein. Nahe der Grenze geriet ein Hilfskonvoi unter Beschuss.

Die Langstreckenraketen seien auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Hemeimim in Syrien angekommen, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti am Donnerstag unter Berufung auf einen Reporter vor Ort.

Präsident Wladimir Putin hatte die Verlegung des hochmodernen S-400-Systems am Mittwoch angekündigt, als Reaktion auf den Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei. "Es ist ein fähiges Waffensystem, das eine bedeutende Bedrohung für alle darstellt", kommentierte ein US-Militärvertreter. 

Hemeimim liegt nur 50 Kilometer südlich der türkischen Grenze. Die S-400-Raketen gelten als sehr präzise und könnten türkische Kampfjets auf eine Entfernung von 400 Kilometern abschießen.

Die Spannungen sind trotz der türkischen Beschwichtigungen groß. Auch weil es offenbar am Mittwoch zu tödlichen Zwischenfällen an der syrisch-türkischen Grenze kam. Bei einem Luftangriff wurden mehrere Lkws getroffen.

Die Angriffe erfolgten auf die syrische Stadt Asas. Einem Medienbericht zufolge wurde ein Hilfskonvoi getroffen. Sieben Menschen seien getötet und zehn verletzt worden, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Der Konvoi sollte demnach Flüchtlingen in Asas Hilfslieferungen bringen.

Ob syrische oder russische Kampfjets für den Angriff verantwortlich waren, blieb zunächst offen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte allerdings zuvor von intensiven russischen Luftangriffen auf Asas berichtet. Der Vorfall droht, die Krise zwischen der Türkei und Russland zu verschärfen.

Ein Video das Shaam-Networks aus Azaz auf Youtube zeigt angeblich eine Szene nach dem Beschuss. Sie zeigt brennende Lastwagen, schwarze Rauchsäulen steigen in den Himmel.

Dabei ist die Türkei seit Mittwoch eigentlich darauf aus, die Lage zu deeskalieren. Zur Beilegung der Krise bemüht sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan laut einem Zeitungsbericht um direkten Kontakt zu seinem russischen Kollegen Wladimir Putin.

Angedacht sei ein Gespräch der beiden Präsidenten am Rande des UN-Klimagipfels in Paris am 30. November, berichtete die regierungsnahe türkische Zeitung "Yeni Safak" am Donnerstag. Vor dem Treffen wolle Erdogan mit Putin telefonieren.

Erdogan betonte am Mittwoch, Ankara wolle keine weitere Eskalation, sondern stehe auf der Seite des "Friedens, des Dialogs und der Diplomatie".

Russland aber geht darauf bisher nicht ein. Zwar betonte der Kreml, er sei an einer breit aufgestellten Koalition im Kampf gegen den Terror interessiert. Doch kündigte Russland im gleichen Atemzug an, die Kontrollen über Lebensmittelimporte aus der Türkei verschärfen.

Der russische Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschew begründete dies am Donnerstag mit "wiederholten Verletzungen russischer Normen durch türkische Hersteller". Er verwies dabei etwa auf "verbotene und schädliche Substanzen" sowie stark erhöhte Pestizid- und Nitratwerte.

Die russische Regierung habe die Behörde für Lebensmittelsicherheit deshalb aufgefordert, die Kontrollen über landwirtschaftliche Produkte aus der Türkei zu verschärfen. Außerdem seien zusätzliche Überprüfungen an der Grenze und an Produktionsstätten in der Türkei geplant. Von den Maßnahmen könnten 15 Prozent der landwirtschaftlichen Importprodukte in Russland betroffen sein.

Russland wird bereits seit Jahren vorgeworfen, gesundheitspolitische Entscheidungen entsprechend seiner geopolitischen Positionen zu treffen, etwa auch im Fall der Ukraine und Georgiens. Seit Sommer 2014 besteht ein Embargo auf die meisten Lebensmittel aus westlichen Ländern, die Russland wegen seiner mutmaßlichen Verwicklung in den Ukraine-Konflikt mit Sanktionen belegt haben.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten am Dienstag einen russischen Bomber vom Typ Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossen, weil das Flugzeug nach Angaben der türkischen Armee trotz wiederholter Warnungen in den türkischen Luftraum eingedrungen war. Das russische Verteidigungsministerium erklärte dagegen, die Su-24 sei über syrischem Gebiet geflogen. Der Abschuss führte zu erheblichen Spannungen zwischen Russland und Türkei.

(pst/AP/AFP)
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